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Donnerstag, 11. April 2019

Ein Frühlingsprojekt

Mein letzter Blogpost liegt länger als 4 Monate zurück und ihr fragt euch wahrscheinlich, was der Grund dafür ist. Wenn ich früher über die "Schreibblockade" von anderen Bloggern gelesen habe, habe ich mir nicht vorstellen können, was das ist. Ich kann immer schreiben, dachte ich. Und es ist auch wahr :)
Nicht die Schreibblockade ist daran schuld, dass hier in den letzten Monaten wenig los war. Zu so einem Blogpost gehören nicht nur der Text, sondern auch Bilder. Da ich einen ziemlich hohen Anspruch an Bilder auf meinem Blog habe, ist es eine zeitaufwändige Aufgabe, Bilder zu machen. Insbesondere im Winter gelingt es mir relativ schwer, weil die Lichtzeit begrenzt ist und die es Temperaturen draußen nur ermöglichen, Jacken und Mäntel bequem zu zeigen.
Natürlich, ist das oben geschriebene keine Ausrede, nichts zu veröffentlichen. Genäht habe ich einiges, obwohl aus privaten Gründen auch nicht mehr so viel, wie früher.
Wer dies und jenes von mir lesen will und sich vor den Fotos mittelmäßiger Qualität nicht scheut, kann gerne meinen Instagram-Account (viertelvorfertig) checken. Dort habe ich ab und zu das gezeigt, was so in meinem Nähleben abgelaufen ist.

Aber genug über die Gründe des Nichtstuns. Mit diesem Post möchte ich die neue Nähsaison eröffnen. Ja-ja, die Saison beginnt bei mir mit den ersten Sommerkleidern. Mir ist letztens sehr klar geworden, dass mich Sommerkleider am stärksten zum Nähen inspirieren. Als erstes Projekt der Saison habe ich spontan das Kleid von Grasser Nr. 672 gewählt. Dass ich in der letzten Zeit vermehrt russische Schnitte vernähe, soll schon aufgefallen sein :) Die zwei Labels

 Grasser und VikiSews entwickeln sich in den letzten Jahren so schnell, dass es in meiner ToDo-Liste kaum mehr Platz für Burda gibt. Professionelle Darstellung der neuen Modelle, sehr ausführlich bebilderte Anleitungen, große Online-Community mit vernähten Beispielen... Watch out, Burda Style! Leider existiert das Ganze momentan nur in russischer Sprache, aber das ist, meiner Meinung nach, ein temporäres Phänomen. Der Markt außerhalb von Russland existiert und da es ist wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, dass er angegangen wird. Es wird mich persönlich auf jeden Fall freuen, wenn Grasser und VikiSews nach Deutschland kommen, weil ich, wie ihr schon bemerkt habt, ein großer Fan von den beiden bin :) Und wenn das Werbung ist oder heißen soll, dann kommt sie von ganzen Herzen und ist auf keinen Fall irgendwie bezahlt oder belohnt.
Quelle: www.grasser.ru

Quelle: www.grasser.ru

Aber jetzt nun mal zum Kleid, das ich ausgewählt habe. Dieses Modell ist besonders, weil es mit einem so genannten "Sew Cross" von Grasser eingeführt wurde. Das ist ein Online-Videokurs mit detaillierten Tutorials zum Nähen dieses Kleides. In dem Kurs kann man mit und ohne Tutor teilnehmen. Ich habe die Variante ohne gewählt. Ich habe also nur die Videos und die Community, was ich als absolut ausreichend empfinde.

Grasser hat für diesen Kurs einiges vorbereitet: man bekommt den Schnitt, die detaillierte Nähanleitung in PDF-Format, einen Nähkalender, in dem jede Operation eine Zeitabschätzung hat und mit dem Häckchen abgehakt werden kann, und die Step-by-Step-Nähvideos. Ich muss sagen, dass es eine Menge ist für die 14 Euro, die ich bezahlt habe :)



Der empfohlene Stoff zu diesem Modell ist Seidenkrepp. Natürlich kann man auch Viskose oder Baumwollbatist dafür nehmen, sie haben aber Nachteile: Viskose wird extrem knittern, was bei so vielen Rüschen vielleicht doch ein Problem sein wird, und Batist wird nicht so weich fallen, was die allgemeine Form des Kleides sehr beeinflussen wird. Ich habe relativ lange gebraucht, um den passenden Stoff dafür zu bekommen, und muss sagen, dass ich dafür drei Stoffe kaufen musste. Ich habe nämlich Viskose, Batist und endlich Seide gekauft. Aus den ersten zwei werden jetzt andere Kleider entstehen. Ich werde Schnitte wählen, die besser zu den Stoffen passen. Ich habe entschieden, mit Seide zu arbeiten. Das wird mein erstes Seidenkleid sein, und ich bin sehr gespannt, wie es mir gelingt.

Grasser motiviert einen immer dazu, ein Probekleid zu nähen. Ich habe mir diesen Schritt schon angewöhnt und überspringe ihn nur in seltenen Fällen. Natürlich, braucht man dafür Zeit und Material. Aber 3,2 Meter Seide, und das ist nämlich die Menge, die man für das Modell braucht, kosten auch nicht gerade 5 Euro. Ich investiere lieber ein altes Bettlaken und ein Tag meiner Zeit und fahre hier mit dem Schnitt auf Nummer sicher. Ein Tag ist in den meisten Fällen zu viel, es dauert bei mir normalerweise 1-2 Stunden, inklusive Zuschnitt, ein Probeteil zu nähen. Nur hier nähe ich alle Rüschen und Manschetten mit und deswegen dauert es entsprechend. 

Eigentlich habe ich mein Probekleid schon gemacht und berichte über die Passform und Sonstiges in dem nächsten Post.

Und noch ein kurzes Info für diejenigen von euch, die diesen Schnitt toll finden: den Schnitt kann man auch ohne Kurs für ein paar Euro auf grasser.ru kaufen und einfach so nach den Bildern nähen.
Wenn der Stoff nicht so schwer zu verarbeiten ist, sehe ich diesen Schnitt auch nicht als besonders anspruchsvoll.

Ich verabschiede mich bis zum nächsten Post und wünsche euch noch eine tolle Woche!


Sonntag, 30. Dezember 2018

Weihnachtskleid Sew Along 2018 - Finale


Weihnachten mit der Familie war wieder schön und ich konnte zwei von mir genähte Kleider an verschiedenen Tagen tragen. Mein Hauptprojekt dieses Jahr was das Kleid Vita von Vikisews, das ich gleichzeitig mit Melanie von 500 days of sewing genäht habe. Melanie hat in ihrem Post schon ausführlich über die gemeinsame Näherfahrung berichtet. Bei meinem letzten Zwischenstand habe ich eigentlich fast alles zu dem Nähprozess gesagt. Kurz vor Weihnachten war ich sie besuchen, um ihr etwas mit dem Verstehen der russischen Anleitung zu helfen :) Das hat Spaß gemacht. Da ich mein Kleid schon fast fertig gemacht habe, habe ich ein paar Weihnachtsgeschenke genäht.

Die Wahl der schlichten schwarzen Knöpfe hat bei mir wieder drei Stunden gedauert :) Manche nähen in drei Stunden ein Kleid, und ich... wähle die Knöpfe aus. Ich finde Kontrastknöpfe für dieses Modell sehr passend, das hat Melanie am Ende auch gemacht. Ton in Ton würden sie einfach verschwinden...

Ich muss sagen, dass der Schnitt nicht ganz so meins ist. Trotz der Verlängerung um 6 cm finde ich das Kleid für mich einfach zu kurz. Damit wirkt es schulmädchenhaft. Ich habe so etwas vor ca. 20 Jahre gerne getragen. Mir gefällt die Farbe sehr und als Kombinationsteil habe ich mir ein Rollkragenpulli in weiß mit goldenen Punkten genäht. Die Punkte sieht man auf den Fotos nicht, und das Weiß gibt für den Alltag schon ziemlich viel Kontrast. Deswegen habe ich mir vorgenommen, noch ein paar andere Oberteile dazu nähen. Graumeliert kann ich mir gut vorstellen...

Der Schnitt ist eher alltagstauglich als festlich, was eigentlich eine schöne Sache ist, weil Weihnachten bekanntermaßen doch nicht so oft vorkommt :) Das andere Kleid, das lange als UFO bei mir lag, finde ich festlicher, und habe es somit zu dem festlichen Essen am ersten Weihnachtstag getragen. Die Fotos davon folgen auch bald....

Stoff: Wollgemisch als Oberstoff und Viskose als Futter, beide von Stoffe Berger (Berlin). Knöpfe von Stofflager Griesheim
Schnitt: Vikisews Vita in Gr. 40 162-168
Fotos: meine

Und jetzt ein Paar Bilder vom fertigen Kleid. Hier geht es zu den anderen tollen Ergebnissen des WKSA 2018. Ich wünsche euch allen noch entspannte Feiertage und einen guten Rutsch!









Samstag, 11. August 2018

Asja von VikiSews

Ein Kleid mit solchen Ärmelchen wollte ich schon seit Langem haben. Leider haben die Schnittmustermagazine mir dafür nur eine bescheidene Auswahl geboten. Die Ärmelvolants sind schon sein ein paar Jahren ein Modetrend, doch haben mich die bis jetzt angebotenen Modelle nicht so richtig überzeugt.
Ich muss an dieser Stelle ein paar Worte zu meiner Einstellung bezüglich Indieschnittmuster schreiben. Ich glaube, ich kann mich immer noch in die Gruppe derjenigen einordnen, die gerne die Schnitte aus den Magazinen vernähen. Ab und zu findet man in meinem Schrank Teile von Pattydoo, ich liebe die Einfachheit ihrer Schnitte. Noch seltener trifft man etwas von den anderen Indielabels. Warum ist es so? Eigentlich ist die Tendenz in der modernen deutschen Nähcommunity ganz umgekehrt: man beschreibt die Anleitungen in den Magazinen als knapp und unverständlich. Dafür zahlt man lieber ein paar Euro mehr und bekommt eine schön beschriebenem bebilderte Anleitung. Ich habe aber mehrmals erlebt, dass ich Schnittmuster gekauft habe, die meiner Meinung nach nicht optimal konstruiert wurden. Manchmal hat auch die angebotene Bearbeitung nicht mit dem überein gestimmt, was ich so aus Nähtechnologiebüchern kenne. Es gibt wohl nicht wenige Indieschnittmusteranbieter, die sehr professionelle Schnitte herstellen und auch selbst sehr professionell und gebildet sind. Nur kann ich sie von den Amateuren auf den ersten Blick schwer unterscheiden. Deswegen gehe ich normalerweise auf Nummer sicher und vernähe doch einen Schnitt von Burda oder Grasser.

VikiSews ist ein Indieschnittmusterlabel aus Russland. Ich bin auf Empfehlung von Julia aka SewingGalaxy darauf gekommen. Nach dem Anschauen der kostenlosen Videoanleitung zu dem Kleid habe ich mich entschieden, den Schnitt auszuprobieren. Die Schnitte von VikiSews sehen alle so unglaublich feminin aus... Und so ein Midi-Kleid mit einer Knopfleiste hat in meinem Kleiderschrank bis jetzt definitiv gefehlt. Kosten tut dieser Schnitt fast gar nichts, wenn man die Preise z.B. mit amerikanischen Anbietern vergleicht. Nachteil für den deutschen Sprachraum: alles ist auf Russisch. Genauso wie bei Grasser. Sie müssen meiner Meinung nach dringend daran arbeiten, weil sie sich auf der internationalen Szene definitiv auch gut behaupten würden.

Der dünne Baumwollstoff ohne Elastan mit einer satinierten Oberfläche lag schon in meinem Schrank. Den habe ich, wie auch viele andere dieses Jahr, bei Karstadt ergattert, als sie eine Neulieferung im Frühling hatten. Der Stoff ist sehr leicht, dabei aber nicht durchsichtig, was ihn für dieses Modell gut qualifiziert hat. Das Kleid wird mit Belegen und ohne Futter verarbeitet.

Auch dieses Kleid habe ich entschieden ohne Probekleid direkt zu nähen. Ich habe am Schnittmuster grob gemessen und entschieden, dass es passen wird. Wahrscheinlich habe ich beim Messen einen Fehler gemacht, weil ich bei einer ziemlich späten Anprobe verstanden habe, dass das Kleid mir untenrum zu eng ist. Die Nahttaschen saßen viel zu weit hinten und waren von daher absolut überflüssig. Ich habe mich in so einem engen Rock aus so einem dünnen Material nicht wohlgefühlt. Nach der kurzen schlaflosen Nacht :) habe ich entschieden, beim Karstadt mehr Stoff zu holen und den Rock zu ersetzen. Zu meinem Glück war der Stoff noch da.

Später habe ich bemerkt, dass die Größentabelle von VikiSews den Hüftumfang von 98 cm für meine Größe 40 vorsieht. Das sind 4 cm weniger als ich habe, und dadurch dass der Rock schon so schmal geschnitten ist, lag die Breite nicht in meinem Komfortbereich. Ich hätte den Rock eigentlich in Gr. 42 zuschneiden müssen, also mindestens 4 cm breiter. Selbst schuld.

Das Auftrennen war ärgerlich, aber ging ziemlich zügig. Ich habe entschieden, die Nahttaschen komplett wegzulassen. Auch an einem breiteren Rock sind sie komisch positioniert und für meinen Geschmack nicht so praktisch. Die Taschenbeutel müssen auch ständig beim Anziehen nach vorne gerichtet werden, da sie unter dem Rock verklumpen.

Der neue Rock, den ich insgesamt 6 cm in der Hüfte breiter gemacht habe, fühlt sich viel bequemer an :) Und die Taschen fehlen mir nicht. Die Länge habe ich entschieden so zu lassen, wie es im Schnittmuster vorgesehen ist. Normalerweise trage ich etwas kürzere Röcke, knapp überm Knie, habe aber gehört, dass Midi jetzt wieder im Trend ist und wollte es einfach ausprobieren. Laut Schnittvorgabe ist der unterste Knopf sehr hoch, so dass man vorne einen lange Schlitz hat. Für mich hat sich erwiesen: not safe for work. Im Büro kann ich mit so einer Schlitz nicht auf dem Stuhl sitzen, ohne mich nackt zu fühlen. Deswegen habe ich entschieden, einen kleinen Druckknopf weiter unten anzunähen. Den kann man ja aufmachen, wenn man irgendwo spazieren geht :)

Allgemein zu dem Schnittmuster: einige Sachen sind "für die Anprobe" gemeint. Zum Beispiel sind die Träger, die im Schnitt gegeben sind, offensichtlich zu kurz. Ich musste die Träger um rund 7 cm verlängern. Außerdem sind Position und Neigung der Träger sehr wichtig. Das halbfertige Kleid ist sehr schwer anzuprobieren. Die vordere Blende muss angenäht werden damit das Kleid halbwegs geschlossen werden kann. Sie wird aber erst zum Schluss angenäht, also muss man sie anheften und dann auftrennen. Die Länge der Gummibänder ist auch nicht gegeben, man muss sie auch irgendwie selbst bestimmen. Als Folge daraus sind ich meine viel zu kurz geraten, ca. 2-3 cm pro Ärmel wäre besser. Meine sind jetzt 21 cm lang.

Falls sich jemand von euch entscheidet, das Kleid nachzunähen, hier ist meine Empfehlung: das Kleid fällt ziemlich eng aus, deswegen entweder mit größeren NZ arbeiten oder sofort am Schnitt die Teile ausmessen und breiter machen. Die Träger sollen von Anfang an 10 cm länger geschnitten werden. Ich habe auf Instagram verschiedene Träger an diesem Kleid gesehen, was wahrscheinlich aus dem Grund passiert, dass man mit den Originalträger (in Länge und Breite) schwer klar kommt. Wenn man auf Nummer sicher gehen möchte, soll man einfach dünnere Träger zuschneiden, die oben mit einer Schleife gebunden werden. So vermeidet man Probleme mit Neigung und Länge.
Sonst ist es ein schönes feminines "erwachsenes" Kleid, das ich schon liebe. Wie alle meine selbstgemachten Kleider hat es einen eigenen Charakter und passt am besten zu bestimmten Situationen. Vor allem passt das Kleid zur Saison Sommer 2018, da solche Ärmelchen absolut im Trend sind. Der luftige Stoff gibt dem Kleid noch Pluspunkte bei heißen Temperaturen. Das Kleid zieht die Blicke auf sich, also wer nicht auffallen möchte, näht vielleicht was anderes :)
Schnitt: Asja von VikiSews in Gr. 40
Stoff: dünne satinierte Baumwolle von Karstadt
Fotos: meine

Ich habe in der letzten Zeit hier schon einige Schnittmuster von den russischen Labels gezeigt. Ich verstehe, dass es sie und auch die Videoanleitungen zur Zeit nur in der russischen Sprache gibt. Deswegen sind sie für die deutsche Nähcommunity, für die ich auch meinen Blog schreibe, von begrenztem Interesse. Trotzdem finde ich es wertvoll, einen Überblick zu verschaffen, was sich alles so in der Nähszene der anderen Länden abspielt. Russland war schon immer und ist immer noch das Land, in dem es viel genäht wird. Die Leute nähen selbst und lassen die Kleider maßanfertigen. Das ist zum Teil geschichtlich und zum anderen Teil durch die wirtschaftliche Situation bedingt. Falls ihr euch weniger Beiträge über die russische Nähszene wünscht, schreibt das bitte in den Kommentaren.

Dienstag, 26. Juni 2018

Ein Kleid mit Loch


Wie viele von euch sicher schon wissen, nähe ich mir momentan einen Trenchcoat mir der Onlineschule Grasser. Dieses Kleid wird von mir deswegen als Prokrastinieren von meiner eigentlichen Aufgabe betrachtet. Die Temperaturen draußen (und drinnen) sind so heiß, dass ich mich in so ein Oberbekleidungsstück für die Anprobe einfach nicht zwingen kann. Meine Gedanken sind beim Urlaub und Meer...

Zuerst war der Stoff. Wie bei vielen meiner Projekten, habe ich zuerst den Stoff gekauft und erst danach das passende Modell für ihn gefunden. Es passiert mir ziemlich selten, dass es andersrum ist: zuerst sehe ich das Modell und dann suche panisch und normalerweise am Anfang erfolglos nach dem passenden Stoff. Diesen Stoff, der als italienischer Designerstoff bezeichnet wurde, habe ich in den Stoffbergen von JP Stoffe Mörfelden gefunden. Der Druck ist etwas außergewöhnlich und macht eine Urlaubsstimmung. Die Qualität ist Krepp aus 100% Viskose - perfekt für ein Sommerkleid.

Das Modell zum Stoff hat sich ziemlich schnell gefunden. Zuhause habe ich eine ziemlich beeindruckende Kollektion der Burda-Zeitschriften und nähe, wie ihr sicherlich schon bemerkt habt, gerne etwas aus den älteren Ausgaben. Diesmal wurde ich auf der russischen Burdastyle-Seite für ein Kleid "mit Loch" auf dem Rücken inspiriert.

Modelle mit offenem Rücken sind für mich meist problematisch. Ich kann mir nicht vorstellen, keine Unterwäsche drunter zu tragen, deswegen scheiden die meisten Modelle bei mir sofort aus. Dieses Kleid hat aber die Öffnung die unter der BH Linie liegt - eine ziemlich ungewöhnliche Positionierung des "offenen Rückens". Zudem hat es einen VoKuHiLa-Rock, die jetzt seit ein paar Jahren wieder modern sind. 

Das Kleid war sehr schnell genäht. Etwas Geduld war wegen der Eigenschaften des Materials erforderlich. Der Zuschnitt und Zusammensetzung der Teile haben bei weitem nicht so genau geklappt, wie es z.B. bei einem Baumwollbatist der Fall ist. Aber von diesem Phänomen wusste ich schon und deswegen habe mir erlaubt, eine nicht ganz saubere Verarbeitung zu akzeptieren. Belohnt wurde ich von einem wundervollen Fall, den der Stoff anbietet. Der Rock, durch Kräuselung und hintere Länge, fühlt sich großartig an, wenn der kleine Sommerwind kommt. Perfekt für die Meerespromenade :) Naja, oder für unsere lokale Rheinufer.

Für die Arbeit ist dieses Kleid leider nichts. Die Öffnung so tief am Rücken wird definitiv nicht als professionell betrachtet. Das ist natürlich eine Vermutung, da ich es gar nicht gewagt habe, dieses Kleid auf die Arbeit auszuführen. Natürlich kann man einen längeren Blazer oder ein Jäckchen im klimatisierten Büro drüberziehen, dann hat man aber nicht viel vom Kleid übrig. Der VoKuHiLa-Rock will zum Spazieren getragen werden und nicht auf dem Bürostuhl knittern. Das ist meine Meinung dazu :)

Aus dem oben genannten Grund hatte ich das Kleid bis jetzt nur ein mal an, obwohl seit dem Fertigstellen schon einige Wochen vergangen sind. Ich nehme es aber unbedingt mit in den Urlaub und kriege dabei einen braunen Kreis auf dem Rücken :)
Stoff: Viskosekrepp von JP Stoffe
Fotos: meine

Mittwoch, 10. Januar 2018

Mein Weihnachtskleid 2017/18


Erstaunlich, dass die etwas magische Weihnachtsstimmung so schnell verfliegt und der kühle und etwas graue Januaralltag kommt als Nichts wäre. Im Weihnachtsvorbereitungsstressmonat Dezember habe ich meinen Blog etwas zu wenig gepflegt und nur das eine oder andere Bild auf Instagram gepostet mit dem Versprechen "coming soon..."

Heute präsentiere ich mein diesjähriges Weihnachtskleid. Von dem Sew Along habe ich rechtzeitig erfahren, doch war ich mir wie immer nicht sicher, ob und welches Kleid ich mir diesmal nähen soll. Die Entscheidung habe ich ohne viel zu überlegen getroffen: es wurde Kleid 119 aus Burdastyle 8/2017.

Wow, das ist schon das zweite Kleid aus dieser Ausgabe (das erste ist hier). Es passiert mir ziemlich selten, dass mir mehrere Modelle aus einem Heft gut gefallen. Ich muss sagen, dass mir die Ausgaben des letzten halben Jahres sehr gut gefallen. Während ich aus dem Jahr 2016 insgesamt vielleicht zwei oder drei Modelle interessant fand, sind in den Ausgaben der letzten 6 Monate mindestens 10 interessante dabei. Ich empfinde den Redaktionswechsel von Burda Style als sehr positiv.

Inspiriert hat mich zu diesem Kleid Sandra auf ihrem Blog Zufall, wenn's klappt. Ohne sie hätte ich gar nicht bemerkt, dass der Schnitt mit vier Schwierigkeitspunkten belegt ist. Meiner Meinung nach ist das aber nicht gerechtfertigt, weil das Kleid nicht schwerer zu nähen ist als die anderen Modelle.

Weil es zum Kleid keinen Futterschnitt gibt, habe ich es auch ohne Futter genäht. Normalerweise mag ich gefütterte Kleider mehr, insbesondere im Winter, wenn unter dem Kleid auch mal eine dicke Strumpfhose getragen werden soll. Bei diesem Modell war ich mir aber nicht sicher, wie ich das Futter konstruieren soll. Mit so vielen Drapierungen muss das Futter eigentlich einen einfachen Schnitt mit Abnäher haben, wie z.B. in diesem Kleid. Doch war es mir zu riskant, den Schnitt aus den Drapierungen selbst zu "erraten". Ich habe entschieden, dass ich einfach ein Unterkleid drunterziehe. Im Endeffekt hat sich das als eine richtige Entscheidung erwiesen.

Ich habe mich für einen Anzugstoff entschieden, den ich auch schnell im Laden vor Ort (Gigant Stoffe Pfungstadt) gekauft habe. In diesem Laden sind die Stoffe auf große Ballen gewickelt und nicht nur die Zusammensetzung sondern auch der Preis oft nicht ausgezeichnet. Deswegen musste ich meine, neulich auf dem Workshop in Köln vertieften, Kenntnisse zum Erraten der Stoffbestandteile anwenden. Der Ergebnis lautet: ein Wollstoffgemisch. Vielleicht so genannte Halbwolle aus 50% Wolle und 50% Polyester. Von der Handhabung und dem Tragen her ein durchaus angenehmer Stoff. Man sieht es wahrscheinlich nicht auf den Bildern, aber der Stoff hat dünne satinierte eingewebte Streifen.

Genäht habe ich nach der Anleitung in der Größe 40, die ich auch sonst immer ausschneide. Obwohl sich meine Figur nicht geändert hat, musste ich die Taille gar nicht anpassen, wie es sonst der Fall ist. Die taillierten Kleider aus Burda Style sind mir normalerweise 4-8 cm in der Taille zu breit. Dieses aber saß perfekt. Und auch der Ausschnitt stand nicht ab, wie es auch sonst so oft der Fall ist. Die Sache mit dem Ausschnitt habe ich aber im Vorfeld am Schnittmuster geprüft und war positiv überrascht zu erfahren, dass der vordere Ausschnitt schon im Schnittmuster kleiner als der hintere ist. Also, habe ich den Ausschnitt so belassen wie er war und im Endeffekt hat er auch gut gepasst. Die zwei Kleinigkeiten, die ich verändert habe, sind die Länge und die Rückenbreite und Rückenlänge. 

Schon auf dem Bild im Magazin sah ich, dass das Kleid ziemlich lang ist. Etwas längere Kleider sind wieder modern, doch passen sie gar nicht zu meiner Beinform. Um Stoff zu sparen, habe ich schon beim Zuschnitt die Länge um 4 cm reduziert, also einfach ohne Nahtzugabe zugeschnitten. Den Gehschlitz vorne habe auch weggelassen.

Die Anpassungen am Rücken waren minimal: ich habe den oberen Punkt der rückwärtigen Mittelnaht (Reißverschluss) um 1 cm nach unten verschoben, also den Rücken um 1 cm in der Mitte gekürzt. Und auch etwas Breite in die Mittelnaht weggenommen, ca. 1 cm insgesamt. Ich habe zum ersten Mal die Rückenanpassungen an meiner individuellen Schneiderpuppe gemacht und es sehr genossen. Ein ganz neues Gefühl :) Eine Möglichkeit wie nie zuvor.

Auf dem Bild sieht man leichte Falten, weil ich leicht ungerade stehe. Auch nach der Autofahrt ist der Stoff hinten leicht zerknittert.

Die Anleitung zu dem Modell ist etwas verwirrend geschrieben. Ich habe nicht verstanden, warum man manche Teile an den Linien umschlagen und heften soll. Nach Rumprobieren habe ich sie einfach bündig aneinander gesteppt und Falten gelegt. Vielleicht ist meine Denkweise etwas anders, aber ich finde das Heften an dieser Stelle unnötig.

Das Kleid war nach ein paar Abenden fertig. Ich habe es am Sonntag zugeschnitten und danach kontinuierlich nach der Arbeit ein Bisschen genäht. Viel Zeit kann ich fürs Nähen nach der Arbeit nicht investieren. Ich bin froh, wenn ich mich eine Stunde lang pro Arbeitstag damit beschäftigen kann.

Ich muss sagen, ich habe dieses Modell für mich als sehr gelungen empfunden. Der Wollstoff ist schlicht, doch die glänzenden Streifen und die Drapierungen machen das Kleid etwas festlicher. Man kann ruhig etwas mehr essen, das Vorderteil des Kleides ist dafür günstig gerafft :)

Ich habe das Kleid an Weihnachten und auch an Silvester getragen und fand es ziemlich bequem. Und Komplimente haben das Kleid und natürlich auch ich bekommen :)

Ich wünsche euch allen einen guten Start ins neue Jahr und freue mich auf die neuen Herausforderungen, die unsere Nähzukunft bestimmt bringen wird!


Stoff: Wollgemisch vom Gigant Stoffe Pfungstadt
Fotos: meine

Donnerstag, 31. August 2017

Ein Retrokleid mit Schleife


Als ich die Augustburda bekam, habe ich mich in den Coverschnitt sofort verliebt. Das herbstliche Flavour von der gesamten Kollektion und dieses Kleides hat mich begeistert und deshalb, wie so oft, wollte ich dieses Modell dann auch so schnell wie möglich haben.

Den passenden Stoff für so ein Kleid zu finden ist nicht einfach. Da ich kein Polyester wollte, blieb mir nicht viel Auswahl: ein Viskosekrepp sollte es sein. In den Geschäften, in denen die Stoffinhalte nicht auf die Stoffrollen geschrieben sind, hatte ich keine Chance. Wie unterscheidet man zwischen Polyester- und Viskosekrepp, ohne einer Brennprobe? Bei einem Baumwollstoff kann ich das noch relativ gut nach Gefühl abschätzen, aber bei Viskosekrepp…

Zu meinem Glück hat Alfatex immer einen kleinen Vorrat an “Designerstoffen aus der Konfektion”. Und mein Glück, dass ich ein Alfatex in der Nähe habe. Dazu gab es noch eine Rabattaktion, so dass ich mir ein paar Viskosekreppstücke zu einem ziemlich niedrigen Preis sichern konnte. Ich bin kein Mensch für eine Schnäppchenjagd, dieses Mal hat es sich aber so ergeben.

Der angegebene Stoffverbrauch ist 2,5 Meter, ziemlich viel für ein Kleid. Der Verbrauch ist durch die relativ große Länge der Schleifen, die im schrägen Fadenlauf zugeschnitten werden, bedingt. Dazu kommen die ganzen Kräuselungen, lange Ärmel, Manschetten usw. Ich habe insgesamt ca. 2,3 Meter Stoff gebraucht.

Im Zuschnitt ist so ein Viskosekreppstoff sehr schwierig. Der Print ist streifenartig. Als ich den Stoff auf dem Tisch liegen hatte, haben die Musterstreifen Wellen gebildet. Es hat sehr viel Mühe bereitet, sie zueinander parallel zu kriegen. Und auch die doppelte Stofflage hat sich als nicht empfehlenswert herausgestellt. Die untere Lage hat sich unerwünscht verhalten, so dass man dann das zugeschnittene Teil nicht mehr verwenden konnte. Zum Glück ist es mir an einem kleinen Teil, der Blende, passiert, und der Stoff hat für einen neuen Versuch gereicht. Wie ihr vielleicht sehen könnt, habe ich das Muster mal wieder nicht angepasst. Ich war mit den Wellen so beschäftigt, dass ich ganz vergaß, die “Streifen” vorne und hinten aneinander anzupassen. Das fällt aber meiner Meinung nach nur auf den zweiten Blick auf :) Irgendwann werde ich schon aus meinen Fehlern gelernt haben und achte dann intuitiv aufs Muster.

Nachdem alles zugeschnitten wurde, ging das Nähen ziemlich leicht. Der Schnitt ist locker, weswegen ich ihn gar nicht angepasst habe. Ich habe auch diesmal aufs Futter verzichtet, damit ich die Leichtigkeit, die so ein Schnitt hat, nicht wegnehme. Stattdessen trage ich ein leichtes Unterkleid und es scheint nichts durch. Ich habe mir auch ein kleines Stück Seide gesichert, um ein richtig edles Unterteil für solche Kleider zu nähen. Seide fühlt sich am Körper besonders gut an.

Der Schnitt ist nicht sehr gewöhnlich, die Kräuselärmel mit Manschetten und Knöpfen verarbeite ich nicht jeden Tag. Was ich aber an dem Schnitt interessant finde, ist die Reißverschlusslösung. Der Reißverschluss ist seitlich eingearbeitet und geht nicht bis nach oben zur Achsel sondern endet an der Taille. Die obere seitliche Naht ist aber nicht zu, denn sonst könnte man das Kleid gar nicht anziehen, sondern hat einen Verschluss mit drei eingenähten Druckknöpfen. Nach der kurzen Überlegung habe ich verstanden, dass der Reißverschluss, der bis nach oben gehen würde, die seitliche Naht an so einem feinen Stoff versteift. Deswegen hat das Kleid oben einen Druckknopfverschluss, den ich auch besonders retro finde :)

Die Meinungen zu diesem Kleid gehen in meiner Bekanntschaft auseinander. Manche finden es toll, andere “altbacken”. Auch ich bin mir nicht ganz sicher, was ich von diesem Kleid halten soll. Beim Tragen fühlt es sich sehr leicht und angenehm an. Der Stoff knittert sehr, was von Viskose zu erwarten ist, doch durch das Muster wird das kaschiert. Ich finde die Schleife und die Raffungen sehr feminin und fühle mich schon ein bisschen in die Vergangenheit zurückgeworfen. Ich glaube, dass ich das Kleid im frühen Herbst noch öfter tragen werde. Vielleicht wird es sich gut mit meinem geplanten und noch nicht genähten Trenchcoat kombinieren lassen.

 Stoff: Viskosekrepp vom Alfatex Weiterstadt
Schnitt: Modell 115A aus Burda Style 08/2017, hier als Downloadschnitt
Fotos: meine

Es wird mich freuen, wenn ihr mir eure Meinungen zu diesem Schnitt und meiner Interpretation schreibt. Seit kurzem habe ich auch eine Facebook- und Instagrampräsenz. Die Links findet ihr auf der rechten Sidebar.

Heute ist Donnerstag und ich bin bei RUMS zum ersten Mal dabei :)

Montag, 21. August 2017

Mein Outfit für eine festliche Angelegenheit


Schon vor einigen Monaten wurden wir zu einer Hochzeit eingeladen, und nicht nur zu irgendeiner, sondern einer aus dem engen Familienkreis. Dass ich mein Gastkleid selber machen werde, war von Anfang an klar. Die Gelegenheit, etwas schick aussehendes zu nähen, konnte ich mir nicht entgehen lassen. Allein die Auswahl des Modells hat viel Freude bereitet. In Betracht kamen Kleiderschnitte, die ich immer wieder bei Burda bewunderte, doch als “nicht alltagstauglich” aus meiner TODO-Liste ausgeschlossen habe.

Das Modell 122 aus Burda Style 4/2016 fiel mir sofort auf, nachdem ich das Heft aus meinem Briefkasten zog und kurz durchblätterte. Diese Ausgabe finde ich besonders gelungen, mein Jumpsuit in dunkelrot stammt auch daraus. Und auch hier habe ich das Modell in der Farbe schön gefunden, die auch im Heft präsentiert ist. Ein kühler puderrosa Farbton kombiniert sich wunderbar mit weichen Drapierungen am Kleid und verleiht dem eleganten Kleid eine gewisse Leichtigkeit. Ich habe sogar den Stoff sofort gekauft. Nur musste der Stoff ein Jahr lang warten, weil ich keine Gelegenheit sah, so ein Kleid anzuziehen.

Der Oberstoff ist eine Art Krepp, vermutlich Polyester. Als Futter habe ich mich für einen farblich passenden Satin mit Seidentouch künstlichen Ursprungs entschieden. Pure Chemie, für mich ganz untypisch, aber in diesem Fall war sie notwendig, weil ich mich damals noch nicht an Seide rantraute.

Das Kleid ist wirklich nicht schwer zu nähen. Der Stoff verzeiht sehr viel, ist leicht elastisch und fällt schön, so dass kleine Passformungenauigkeiten gar nicht auffallen. Trotzdem habe ich am Anfang die übliche Schnittanpassung gemacht. Nachdem ich mir überall im Internet Kleider anschaute, die nach diesem Schnittmuster genäht wurden, habe ich entschieden, dass der Halsausschnitt - meine übliche Gefahrenstelle - wahrscheinlich angepasst werden muss. So habe ich beim Ausschneiden des Futters die Nahtzugaben im Bereich des Ausschnitts etwas größer gelassen. Ich habe das Futter geheftet und nötige Anpassungen gemacht, die ich danach auf den Schnitt des Oberkleides übertragen habe. Das restliche Zusammennähen ging einfach. Mittlerweile habe ich genug Erfahrung mit ärmellosen gefütterten Kleidern, bei denen das Versäubern der Hals- und Armausschnitte wahrscheinlich das Schwierigste ist. Der Knoten hat sich gut nach der Anleitung nähen lassen.

Die letzten zwei Jahre war es im August unerträglich heiß. Die Stoffe, die ich verwendet habe, waren synthetisch, deswegen habe ich mir Sorgen gemacht, dass ich bei der Sommerhitze in diesem Kleid wie in einer Plastiktüte schwitzen werde. Das Wetter wechselte aber kurz vor dem Hochzeitstermin von heiß auf kühl. Ich brauchte dringend etwas zum Drüberziehen. In meinem Schrank fand ich mehrere Jacken, doch waren sie alle entweder farblich oder vom Stil her nicht so passend. So ist die Entscheidung gefallen, ein paar Tage vor dem Termin ein einfaches Bolerojäckchen dazu zu machen. Ich habe mich für das Modell #6645 aus der Burda Style Frühjahr/Sommer Kollektion 2016 entschieden.
Der Oberstoff meines Kleides war im Geschäft, in dem ich ihn ursprünglich gekauft habe, noch vorhanden. Mein Glück, dass solche Abendkleidstoffe nicht so schnell ausverkauft werden. Das Futter habe ich nach dem Durchsuchen des Lagers zusammen mit der Verkäuferin leider nicht mehr gefunden. So bin ich auf meine erste Erfahrung mit Seide gekommen: der Seidensatin, der im Stofflager in mehreren Farben für 18 Euro pro Meter vorhanden war, hat als Futter für mein Jäckchen am Besten gepasst. Ich habe 90 cm davon genommen, es hat locker gereicht.

Wenn ich den Bolero komplett aus dem Oberstoff des Kleides gemacht hätte, hätte ich wahrscheinlich wie eine rosafarbene Wolke ausgesehen. Der Stoff ist so matt, dass er ohne Drapierungen oder Verzierungen sehr langweilig aussieht. So bin ich auf die Idee gekommen, ihn mit einer farblich passenden Spitze zu schmücken. Die Spitze habe ich mit dem Oberstoff wie eine Stofflage verarbeitet.

Für die Schnittanpassung der Jacke hat die Zeit nicht mehr gereicht und ich habe sie auf einen Schuss fast ohne Anprobe genäht. Gepasst hat sie sehr gut, wobei ich sagen muss, dass man bei so einem Modell nicht viel verkehrt machen kann. Das Seidenfutter zu nähen war ein bisschen knifflig, aber nach der Kurzausbildung im Internet war ich theoretisch bestens vorbereitet. Die Seide fühlt sich sehr angenehm an. Ich glaube, dass dieses Jäckchen nicht das letzte Kleidungsstück gewesen sein wird, dass ich mit Seide gefüttert habe. Mal schauen, wie die Jacke das Waschen in der Maschine übersteht.

Auf den letzten Drücker habe ich mir noch eine passende Clutch nach der Anleitung von Pattydoo genäht. Das schien mir einfacher als nach einer passenden Farbe zu suchen und extra eine zu kaufen. Obwohl so eine Clutch nicht schwer zu nähen ist, habe ich in der Eile viele kleine Fehler gemacht, so dass die Tasche wirklich selbstgenäht aussieht. Trotzdem habe ich dafür viele Komplimente erhalten und zum Glück wollte keiner die Tasche aus der Nähe sehen. Vom Stoff her ist das keine große Investition gewesen. Deswegen werde ich nicht traurig sein, falls diese Tasche so ein Einwegartikel war und ich mir nächstes Mal, wenn ich das Outfit trage, etwas anderes überlege.

Mein Outfit ist auf der Hochzeit sehr gut angekommen. Nur wenige Leute wussten, dass es selbstgemacht ist, trotzdem habe ich viele Komplimente fürs Gesamtoutfit erhalten. Mit so einer Farbe besteht immer die Gefahr, vom Aussehen her “zu nah” an die Braut zu kommen. Da unsere Braut ein richtiges weißes Brautkleid mit Schleier, Schleppe und allem, was dazu gehört, getragen hat, habe ich mir erlaubt, diese hellrosa Farbe anzuziehen. Meiner Meinung nach würde dieses Outfit auch gut als Brautoutfit für die standesamtliche Trauung durchgehen. Unkompliziert zu nähen und bequem zu tragen, ist es absolut weiter zu empfehlen. 

Schnitt Kleid: Burda style 4/2016 Mod. 122, hier als Downloadschnitt
Schnitt Jacke: Burda Style Frühjahr/Sommer Kollektion 2016, Schnitt #6645
Schnitt Tasche: Bowie in XXL von Pattydoo

Stoffe Kleid:
Oberstoff: Polyesterkrepp in Puderrosa
Futterstoff: Polyestersatin mit Seidentouch in Puderrosa

Stoffe Jacke:
Oberstoff: Polyesterkrepp in Puderrosa mit Spitze obendrauf
Futterstoff: Reinseidensatin in Puderrosa
Stoffe Tasche: Reste von der Jacke, verstärkt mit Decovil Light und Vlieseline G 630

Alle Stoffe bis auf die Spitze gekauft bei Das Stofflager in Griesheim (link)
Spitze von Alfatex

Fotos: meine
Schuhe: Tamaris

Mittwoch, 28. Juni 2017

Kleiderschnitt entwickeln: ein Etuikleid

Als Schülerin der 6.-7. Klasse habe ich einen Nähkurs besucht. Ich wohnte zu der Zeit noch in meinem Heimatland. Im Kurs ging es um Kleidernähen nach selbst erstellten Schnittmustern. Die Reihenfolge ist jeder Frau, die in einer russischen Schule war, bekannt: Küchenschürze, Nachthemd, Rock, Hose/Oberteil usw. Jedes von mir erstellte Kleidungsstück, egal wie hässlich es war, habe ich fleissig im Alltag getragen.

Viele Jahre sind vergangen und als ich letztes Jahr wieder ein Schnittmuster selbst erstellen wollte, verstand ich, dass ich alles vergessen hatte. Das ist nicht unbedingt bedauerlich, sondern eher erfreulich, weil ich mir so eine neue Schnittkonstruktionsmethode beibringen konnte.

Motivation

Ich habe mittlerweile rund 100 Schnittmustermagazine und meine Kollektion wächst ständig. Außerdem ist das Internet voll von neuen Anleitungen, die mit einem Klick gekauft werden können. Warum ein SM selbst zeichnen? Zeit, Materialkosten, Fehleranfälligkeit…

Bisher, wenn ich ein Kleid aus einem nichtdehnbaren Stoff nähen wollte, habe ich immer ein Probemodell aus Nessel genäht. Für mich war es zu viel Risiko einfach so den schöneren Stoff loszuschneiden, auch wenn ich grob die Maße verglichen habe. Immer wieder stand bei mir oben der Hals- oder Armausschnitt ab, die Seitennähte verliefen nicht gerade oder der Rücken hang wie ein Sack. Das vordere Oberteil war auch häufig, aber nicht immer, zu kurz. Auf dem Nesselmodell konnte ich dann die Fehler abstecken und ins Schnittmuster grob übertragen.

Eines Tages hatte ich genug von Schnittmusteranpassung, zudem ich mich immer wieder halbblind gefühlt habe, weil ich nicht verstanden habe, was die Ursache war. Auf dem Blog von Jenny exclamation-point.de habe ich gelesen, dass Burdaschnitte nicht immer auf die gleiche Art und Weise korrigiert werden können. Die gleiche Erfahrung habe ich auch gemacht. Ich wollte einen Schnitt vom Kleid erstellen, das “wie angegossen” sitzt. Ich dachte, dass es mir die Möglichkeit gibt, Burdaschnitte schneller anzupassen oder die Modelle selber herzustellen. Teilweise habe ich mich nicht geirrt. Aber nur teilweise.

Schnittentwicklung

Ich bin schon ein bisschen perfektionistisch, was ich mittlerweile als Nachteil betrachte. Es gibt verschiedene Methoden, einen Schnitt vom Kleid zu entwickeln, und ich wusste schon im Voraus, dass die einfachste meinen Anforderungen nicht genügen wird. Je einfacher die Methode, desto mehr setzt sie voraus, dass deine Figur der Konfektionsfigur ähnelt. Die Fehler, die anhand so genannter Festmaße entstehen, werden dann später während der Anprobe korrigiert. Ich habe mit so einer Methode für Hosenkonstruktion ziemlich schlechte Erfahrung gemacht.

Also habe ich mich für eine Methode entschieden, die keine Festmaße nutzt. Es wird alles am Körper gemessen und jede Körpereigenschaft berücksichtigt. Dafür muss man aber ca. 30 Maße nehmen. Einfach ist anders. Vor allem kann man eigene Maße sehr schlecht selbst nehmen…

Nachdem ich meinen Freund anhand Internetvideos zum Maßnehmer ausgebildet habe und er meine Maße sehr sorgfältig genommen hat, habe ich mein erstes Kleid konstruiert und ein Probemodell aus Nessel genäht.
Wie ihr sehen könnt, sah es… hm… nicht so wirklich toll aus. Ich habe mich hilfesuchend an die Mädels in diesem Forum (Russisch) gewandt. Sie haben mir sehr geholfen, zu verstehen, was ich falsch gemacht habe. Ich musste mit großem inneren Widerstand erkennen, dass meine Figur doch weit weg von der Konfektion ist. Die Schultern sind nämlich nach vorne gedreht, wie man auf dem folgenden Bild sieht.
Dadurch, dass Kleider auf den Schultern balancieren - im Gegensatz zu Röcken und Hosen, die auf der Taille sitzen - ist der Schulterbereich für so einen Schnitt sehr wichtig. Ich habe am Probemodell gezeichnet, gerechnet, die Maße entsprechend angepasst und ein neues Probemodell genäht. Insgesamt habe ich 3 Probekleider nähen müssen, um zur, meiner Meinung nach, perfekten Passform zu kommen. So sah das letzte Probemodell aus einem alten Bettlacken aus:
Ich sehe einen deutlichen Unterschied, und ihr?

Da die Abnäher vorne und hinten bei mir ziemlich tief sind, musste ich sie teilen. So habe ich jeweils 2 Abnäher und 2 Teilungsnähte vorne und hinten. Ich habe für mich eine Zeichnung des Kleidmodells gemacht:
Das Etuikleid

Ich wollte das erste Kleid nach dem selbsterstellten Schnittmuster sehr einfach halten. Ein schnell genähtes Etuikleid, ohne Futter und Schnickschnack.

Für so ein Sommeretuikleid habe ich mich für Baumwollsatin mit Elastan entschieden. Über die Jahre habe ich einige Stoffstücke in solcher Qualität zuhause gesammelt und nie verarbeitet. Alle haben ziemlich große Muster und sind schön bunt.
Obwohl ich schon so viel Übung mit den Probekleidern hatte, habe ich doch ein paar Fehler gemacht. Ein Fehler tut mir besonders leid: ich habe das große schöne Muster nicht angepasst. Weil so ein Etuikleid doch ein paar senkrechte Schnittlinien hat, sieht das vorne nicht so toll aus. Aufgefallen ist es mir schon während der Anprobe, doch habe ich entschieden, das Kleid fertig zu machen und zu tragen. Dieser Fehler passiert mir nicht zweimal :)
Den Ausschnitt und die Armlöcher habe ich mit einem Beleg bearbeitet. Auch hier ist nicht alles ideal gelaufen und wird vielleicht beim nächsten Mal besser. Der Stoff ist gar nicht durchsichtig, deswegen habe ich das Kleid ohne Futter gemacht. Für den Sommer ist jede zusätzliche Schicht Stoff unerwünscht.
Wie jedes Etuikleid ist auch dieses ziemlich schlicht. Das Blumenmuster macht es aber fröhlich und sommerlich. Da es nicht so verspielt ist, wie das Carmenkleid aus dem letzten Post, eignet es sich perfekt fürs Büro.
Ich freue mich schon nach dem selbsterstellten Basischnitt viele weitere Kleider zu kreieren. Eins ist schon in der Mache. Viertel vor fertig, sozusagen :)

Schnitt: selbst erstellt
Stoff: Baumwollsatin 97%BW 3%EL aus dem lokalen Stoffladen
Fotos: meine

Heute ist wieder ein Mittwoch und hier könnt ihr die andere Kreationen des heutigen MeMadeMittwochs bewundern.