Samstag, 11. August 2018

Asja von VikiSews

Ein Kleid mit solchen Ärmelchen wollte ich schon seit Langem haben. Leider haben die Schnittmustermagazine mir dafür nur eine bescheidene Auswahl geboten. Die Ärmelvolants sind schon sein ein paar Jahren ein Modetrend, doch haben mich die bis jetzt angebotenen Modelle nicht so richtig überzeugt.
Ich muss an dieser Stelle ein paar Worte zu meiner Einstellung bezüglich Indieschnittmuster schreiben. Ich glaube, ich kann mich immer noch in die Gruppe derjenigen einordnen, die gerne die Schnitte aus den Magazinen vernähen. Ab und zu findet man in meinem Schrank Teile von Pattydoo, ich liebe die Einfachheit ihrer Schnitte. Noch seltener trifft man etwas von den anderen Indielabels. Warum ist es so? Eigentlich ist die Tendenz in der modernen deutschen Nähcommunity ganz umgekehrt: man beschreibt die Anleitungen in den Magazinen als knapp und unverständlich. Dafür zahlt man lieber ein paar Euro mehr und bekommt eine schön beschriebenem bebilderte Anleitung. Ich habe aber mehrmals erlebt, dass ich Schnittmuster gekauft habe, die meiner Meinung nach nicht optimal konstruiert wurden. Manchmal hat auch die angebotene Bearbeitung nicht mit dem überein gestimmt, was ich so aus Nähtechnologiebüchern kenne. Es gibt wohl nicht wenige Indieschnittmusteranbieter, die sehr professionelle Schnitte herstellen und auch selbst sehr professionell und gebildet sind. Nur kann ich sie von den Amateuren auf den ersten Blick schwer unterscheiden. Deswegen gehe ich normalerweise auf Nummer sicher und vernähe doch einen Schnitt von Burda oder Grasser.

VikiSews ist ein Indieschnittmusterlabel aus Russland. Ich bin auf Empfehlung von Julia aka SewingGalaxy darauf gekommen. Nach dem Anschauen der kostenlosen Videoanleitung zu dem Kleid habe ich mich entschieden, den Schnitt auszuprobieren. Die Schnitte von VikiSews sehen alle so unglaublich feminin aus... Und so ein Midi-Kleid mit einer Knopfleiste hat in meinem Kleiderschrank bis jetzt definitiv gefehlt. Kosten tut dieser Schnitt fast gar nichts, wenn man die Preise z.B. mit amerikanischen Anbietern vergleicht. Nachteil für den deutschen Sprachraum: alles ist auf Russisch. Genauso wie bei Grasser. Sie müssen meiner Meinung nach dringend daran arbeiten, weil sie sich auf der internationalen Szene definitiv auch gut behaupten würden.

Der dünne Baumwollstoff ohne Elastan mit einer satinierten Oberfläche lag schon in meinem Schrank. Den habe ich, wie auch viele andere dieses Jahr, bei Karstadt ergattert, als sie eine Neulieferung im Frühling hatten. Der Stoff ist sehr leicht, dabei aber nicht durchsichtig, was ihn für dieses Modell gut qualifiziert hat. Das Kleid wird mit Belegen und ohne Futter verarbeitet.

Auch dieses Kleid habe ich entschieden ohne Probekleid direkt zu nähen. Ich habe am Schnittmuster grob gemessen und entschieden, dass es passen wird. Wahrscheinlich habe ich beim Messen einen Fehler gemacht, weil ich bei einer ziemlich späten Anprobe verstanden habe, dass das Kleid mir untenrum zu eng ist. Die Nahttaschen saßen viel zu weit hinten und waren von daher absolut überflüssig. Ich habe mich in so einem engen Rock aus so einem dünnen Material nicht wohlgefühlt. Nach der kurzen schlaflosen Nacht :) habe ich entschieden, beim Karstadt mehr Stoff zu holen und den Rock zu ersetzen. Zu meinem Glück war der Stoff noch da.

Später habe ich bemerkt, dass die Größentabelle von VikiSews den Hüftumfang von 98 cm für meine Größe 40 vorsieht. Das sind 4 cm weniger als ich habe, und dadurch dass der Rock schon so schmal geschnitten ist, lag die Breite nicht in meinem Komfortbereich. Ich hätte den Rock eigentlich in Gr. 42 zuschneiden müssen, also mindestens 4 cm breiter. Selbst schuld.

Das Auftrennen war ärgerlich, aber ging ziemlich zügig. Ich habe entschieden, die Nahttaschen komplett wegzulassen. Auch an einem breiteren Rock sind sie komisch positioniert und für meinen Geschmack nicht so praktisch. Die Taschenbeutel müssen auch ständig beim Anziehen nach vorne gerichtet werden, da sie unter dem Rock verklumpen.

Der neue Rock, den ich insgesamt 6 cm in der Hüfte breiter gemacht habe, fühlt sich viel bequemer an :) Und die Taschen fehlen mir nicht. Die Länge habe ich entschieden so zu lassen, wie es im Schnittmuster vorgesehen ist. Normalerweise trage ich etwas kürzere Röcke, knapp überm Knie, habe aber gehört, dass Midi jetzt wieder im Trend ist und wollte es einfach ausprobieren. Laut Schnittvorgabe ist der unterste Knopf sehr hoch, so dass man vorne einen lange Schlitz hat. Für mich hat sich erwiesen: not safe for work. Im Büro kann ich mit so einer Schlitz nicht auf dem Stuhl sitzen, ohne mich nackt zu fühlen. Deswegen habe ich entschieden, einen kleinen Druckknopf weiter unten anzunähen. Den kann man ja aufmachen, wenn man irgendwo spazieren geht :)

Allgemein zu dem Schnittmuster: einige Sachen sind "für die Anprobe" gemeint. Zum Beispiel sind die Träger, die im Schnitt gegeben sind, offensichtlich zu kurz. Ich musste die Träger um rund 7 cm verlängern. Außerdem sind Position und Neigung der Träger sehr wichtig. Das halbfertige Kleid ist sehr schwer anzuprobieren. Die vordere Blende muss angenäht werden damit das Kleid halbwegs geschlossen werden kann. Sie wird aber erst zum Schluss angenäht, also muss man sie anheften und dann auftrennen. Die Länge der Gummibänder ist auch nicht gegeben, man muss sie auch irgendwie selbst bestimmen. Als Folge daraus sind ich meine viel zu kurz geraten, ca. 2-3 cm pro Ärmel wäre besser. Meine sind jetzt 21 cm lang.

Falls sich jemand von euch entscheidet, das Kleid nachzunähen, hier ist meine Empfehlung: das Kleid fällt ziemlich eng aus, deswegen entweder mit größeren NZ arbeiten oder sofort am Schnitt die Teile ausmessen und breiter machen. Die Träger sollen von Anfang an 10 cm länger geschnitten werden. Ich habe auf Instagram verschiedene Träger an diesem Kleid gesehen, was wahrscheinlich aus dem Grund passiert, dass man mit den Originalträger (in Länge und Breite) schwer klar kommt. Wenn man auf Nummer sicher gehen möchte, soll man einfach dünnere Träger zuschneiden, die oben mit einer Schleife gebunden werden. So vermeidet man Probleme mit Neigung und Länge.
Sonst ist es ein schönes feminines "erwachsenes" Kleid, das ich schon liebe. Wie alle meine selbstgemachten Kleider hat es einen eigenen Charakter und passt am besten zu bestimmten Situationen. Vor allem passt das Kleid zur Saison Sommer 2018, da solche Ärmelchen absolut im Trend sind. Der luftige Stoff gibt dem Kleid noch Pluspunkte bei heißen Temperaturen. Das Kleid zieht die Blicke auf sich, also wer nicht auffallen möchte, näht vielleicht was anderes :)
Schnitt: Asja von VikiSews in Gr. 40
Stoff: dünne satinierte Baumwolle von Karstadt
Fotos: meine

Ich habe in der letzten Zeit hier schon einige Schnittmuster von den russischen Labels gezeigt. Ich verstehe, dass es sie und auch die Videoanleitungen zur Zeit nur in der russischen Sprache gibt. Deswegen sind sie für die deutsche Nähcommunity, für die ich auch meinen Blog schreibe, von begrenztem Interesse. Trotzdem finde ich es wertvoll, einen Überblick zu verschaffen, was sich alles so in der Nähszene der anderen Länden abspielt. Russland war schon immer und ist immer noch das Land, in dem es viel genäht wird. Die Leute nähen selbst und lassen die Kleider maßanfertigen. Das ist zum Teil geschichtlich und zum anderen Teil durch die wirtschaftliche Situation bedingt. Falls ihr euch weniger Beiträge über die russische Nähszene wünscht, schreibt das bitte in den Kommentaren.

Dienstag, 26. Juni 2018

Ein Kleid mit Loch


Wie viele von euch sicher schon wissen, nähe ich mir momentan einen Trenchcoat mir der Onlineschule Grasser. Dieses Kleid wird von mir deswegen als Prokrastinieren von meiner eigentlichen Aufgabe betrachtet. Die Temperaturen draußen (und drinnen) sind so heiß, dass ich mich in so ein Oberbekleidungsstück für die Anprobe einfach nicht zwingen kann. Meine Gedanken sind beim Urlaub und Meer...

Zuerst war der Stoff. Wie bei vielen meiner Projekten, habe ich zuerst den Stoff gekauft und erst danach das passende Modell für ihn gefunden. Es passiert mir ziemlich selten, dass es andersrum ist: zuerst sehe ich das Modell und dann suche panisch und normalerweise am Anfang erfolglos nach dem passenden Stoff. Diesen Stoff, der als italienischer Designerstoff bezeichnet wurde, habe ich in den Stoffbergen von JP Stoffe Mörfelden gefunden. Der Druck ist etwas außergewöhnlich und macht eine Urlaubsstimmung. Die Qualität ist Krepp aus 100% Viskose - perfekt für ein Sommerkleid.

Das Modell zum Stoff hat sich ziemlich schnell gefunden. Zuhause habe ich eine ziemlich beeindruckende Kollektion der Burda-Zeitschriften und nähe, wie ihr sicherlich schon bemerkt habt, gerne etwas aus den älteren Ausgaben. Diesmal wurde ich auf der russischen Burdastyle-Seite für ein Kleid "mit Loch" auf dem Rücken inspiriert.

Modelle mit offenem Rücken sind für mich meist problematisch. Ich kann mir nicht vorstellen, keine Unterwäsche drunter zu tragen, deswegen scheiden die meisten Modelle bei mir sofort aus. Dieses Kleid hat aber die Öffnung die unter der BH Linie liegt - eine ziemlich ungewöhnliche Positionierung des "offenen Rückens". Zudem hat es einen VoKuHiLa-Rock, die jetzt seit ein paar Jahren wieder modern sind. 

Das Kleid war sehr schnell genäht. Etwas Geduld war wegen der Eigenschaften des Materials erforderlich. Der Zuschnitt und Zusammensetzung der Teile haben bei weitem nicht so genau geklappt, wie es z.B. bei einem Baumwollbatist der Fall ist. Aber von diesem Phänomen wusste ich schon und deswegen habe mir erlaubt, eine nicht ganz saubere Verarbeitung zu akzeptieren. Belohnt wurde ich von einem wundervollen Fall, den der Stoff anbietet. Der Rock, durch Kräuselung und hintere Länge, fühlt sich großartig an, wenn der kleine Sommerwind kommt. Perfekt für die Meerespromenade :) Naja, oder für unsere lokale Rheinufer.

Für die Arbeit ist dieses Kleid leider nichts. Die Öffnung so tief am Rücken wird definitiv nicht als professionell betrachtet. Das ist natürlich eine Vermutung, da ich es gar nicht gewagt habe, dieses Kleid auf die Arbeit auszuführen. Natürlich kann man einen längeren Blazer oder ein Jäckchen im klimatisierten Büro drüberziehen, dann hat man aber nicht viel vom Kleid übrig. Der VoKuHiLa-Rock will zum Spazieren getragen werden und nicht auf dem Bürostuhl knittern. Das ist meine Meinung dazu :)

Aus dem oben genannten Grund hatte ich das Kleid bis jetzt nur ein mal an, obwohl seit dem Fertigstellen schon einige Wochen vergangen sind. Ich nehme es aber unbedingt mit in den Urlaub und kriege dabei einen braunen Kreis auf dem Rücken :)
Stoff: Viskosekrepp von JP Stoffe
Fotos: meine

Montag, 21. Mai 2018

Eine Fake Chanel Jacke


In einem meiner Posts habe ich schon erwähnt dass ich eine richtige Haute Couture Chanel Jacke nähen möchte. Dafür habe ich mir sogar ein Buch von Clair Schaefer gekauft und sogar alle Materialien besorgt. Aber wie es mit solch langen Projekten ist... der Anfang zieht sich auch... Und da mir aufgefallen ist dass ich eine Kastenjacke zu all meinen Kleidern unbedingt brauche, entstand erst mal diese "Fake" Version davon, die ich jetzt sehr gerne fast jeden Tag anziehe.

Für diese Jacke habe ich mich wieder von dem russischen Label Grasser inspirieren lassen. Ich habe Fotos auf der Webseite gesehen und habe verstanden, dass ich so ein Basicteil unbedingt brauche. Die Jacke hat keinen Verschluss, keinen Kragen und ist deswegen sehr schnell zu nähen. Ich habe sofort entschieden, dass ich bei meinem ersten Versuch an der Jacke auf die Chanel-typischen Fronttaschen verzichte.

Die Schnittmuster von Grasser sind sehr professionell vorbereitet. Sie enthalten nicht nur alle Nahtzugaben sondern auch separate Schnitte fürs Futter. In der Vergangenheit habe ich durchs Rumprobieren verstanden, dass das Futter nicht einfach ein Duplikat des Oberschnittes ist. Je nach Kleidungsstück muss das Futter gewisse Zugaben enthalten, um den Oberstoff nicht zu verziehen. Auch die untere Zugaben des Futters sind bei Teilen mit Belegen nicht einfach nur kürzer als Oberstoff, sondern haben eine andere Form. Bei meinem Mantel musste ich die Zugaben selbst errechnen und die untere Form selbst ausarbeiten. Bei diesem Grasserschnitt habe ich einfach die Papierteile auf den Stoff gelegt, ausgeschnitten, mit Einlage verstützt und zusammengenäht. Das war wirklich sehr angenehm :)

Nach der Analyse meines Schranks habe ich verstanden, dass die Teile, die ich am meisten trage, so langweilige Basicteile in Schlichtfarben sind. Es war eine bewusste Entscheidung, sehr schlichte und möglichst zu allem passende Farbe zu wählen. Den Stoff habe ich von einem lokalen Laden meines Vertrauens :) Diesen Laden besuche ich immer wenn ich einen Anzugswollstoff brauchen. Die Brenn- und Fühlprobe hat ergeben: Wolle ist drin. Als Futter habe ich Venezia genommen. Reine Synthetik, doch versprochen, dass sie statisch nicht auflädt und eine edle Haptik hat. Der Preis ist auch nicht gerade niedrig, also habe ich entschieden, diesem Futter eine Chance zu geben.

Um eine Nummer sicher zu gehen habe ich ein Probeteil aus Nessel genäht. Die Passform fand ich auf den ersten Blick sehr gut. Die einzige Anpassung die ich gemacht habe ist das Versetzen des Brustabnähers 1.5 cm nach unten. Alles andere, inklusive die Länge und Armlänge habe ich so belassen wie im Schnitt vorgesehen. Hier muss ich erwähnen, dass die Schnitte von Grasser normalerweise für drei Körpergrößen angeboten sind. Diese Jacke jedoch nicht. Ich denke, dass sie für die "normale" Körpergröße von 168 cm konzipiert ist. Ein Glück, dass ich 168 cm groß bin :)

Wie ich schon erwähnt habe trage ich die Jacke jetzt sehr gerne zur Arbeit. Eine sommertaugliche farbenfröhliche Variante mit 3/4 Arm aus einem wunderschönen Boucle ist auch schon in Planung.

Mittlerweile hat mein Trenchcoatkurs begonnen und nimmt momentan meine ganze Nähaufmerksamkeit auf sich zu. Ich werde hier und auf Instagram ab und zu über mein Progress in dieser aufregender Aufgabe berichten. Ich wollte schon seit langem einen klassischen handgemachten Burberry-style Mantel zu haben und endlich geschieht es!




Schnitt: Nr. 76 "Chanel"-Jacke vom Grasser
Stoff: Wolltwill aus dem lokalen Stoffgeschäft
Rock und Bluse: vor Jahren gekauft :)
Fotos: meine

Dienstag, 20. März 2018

Sweet dreams

Pyjama nähen



Eigentlich ist dieser Pyjama gar nicht mein Typ. Ich bin eher so ein Jerseypyjamatyp. Kragen und Knöpfe an einem Pyjama fand ich immer ziemlich altmodisch. Warum ist dieser Pyjama dann entstanden?

Ich habe schon hier und da erwähnt, dass ich momentan einen sehr interessanten Kurs über Fashion-Illustration in einer Onlineschule mache. Die Schule heißt Grasser und ist eine russische Schule :) Ja-ja, dort gibt es auch deutsche Namen, und Grasser ist nicht anderes als der Nachname der Gründerin. Ich finde den Kurs und die Schule wundervoll. Sie haben übrigens auch eine gute Kollektion der modernen Schnittmuster. Irgendwann nähe ich mir so einen Trenchcoat (link). Leider ist ziemlich alles auf Russisch unterrichtet...

Ich war auf der Grasser-Webseite stöbern, als ich zwei Youtube-Videos (Teil 1 und Teil 2) gesehen habe. Auf den Videos war eine Schritt für Schritt Anleitung zum Nähen eines Pyjamas. Die Schnittmuster des Oberteil und der Hose sind auf der Seite zu erwerben. Ich habe mir die Anleitung angeschaut und habe sofort entschieden, dass ich Lust habe, so einen Pyjama zu nähen. Nicht zu haben, nicht zu tragen, sondern ich hatte Lust auf den Prozess des Nähens, was bei mir selten der Fall ist. Normalerweise bin ich hin und weg von der Klamotte :) Und das Nähen führt dazu, dass ich sie habe.

Im Video ist ein Baumwollstoff verarbeitet. Dieser Stoff ist meiner Meinung nach leicht zu verarbeiten. Man kann den eigenen Perfektionismus ausleben, wenn man will. Und ich wollte :)

In meinem Stofflager zuhause habe ich zwei Meter Baumwolle gefunden, die ich irgendwann gekauft habe, weil sie stark reduziert war. Manche von euch kennen das bestimmt: "Waaaas, der Stoff ist nur 3.99 pro Meter? Na dann muss ich zwei Meter mitnehmen!" Zwei Meter haben für diesen Zweiteiler aber nicht gereicht, eigentlich benötigt man drei. Deswegen habe ich noch Kombistoff dazu auch sehr günstig gekauft. Die Farben sind... naja.... Probestoff halt. Was kann ich sagen... der Pyjama sieht pyjamig aus.

So einfach zu nähen war der Zweiteiler doch nicht. Die Nähte sind teilweise nicht so perfekt geworden, wie ich es mir erhofft habe. So eine "ungefüllte" Paspel zu verarbeiten fand ich nicht leicht. Ein Millimeter nach links oder rechts - und schon sieht das Ding unordentlich aus.
Pyjama nähen

Was ist an diesem Pyjama toll fand, sind die doppelte Kappnähte. Man benötigt gar keine Overlock, nur die Nähmaschine zum Nähen. Alle Nähte sind innen sauber und geschlossen. So, wie es zu einem Nachtwäschestück eigentlich dazu gehört. Dadurch dass man alles mit der Nähmaschine näht, kann man den Pyjama perfekt bei einem Nähtreff nähen. Von der Zeit her ist das ca. ein Tag arbeit. Wenn man das Quatschen und Kaffeetrinken mit dazurechnet :)

Pyjama nähenEine Herausforderung war auch der Bund an der Hose. Das 4 cm breite Gummiband ist von beiden Seiten an eine Seite des Bundes festgesteppt. Danach wurde der Bund im gedehnten Zustand an die Hose festgesteppt. Die Mühe hat sich hier aber gelohnt. Der Bund sieht sehr schön aus und fühlt sich sehr gut an.Pyjama nähen
Ich habe mich sehr streng an die Anleitung gehalten. Auch den Schnitt habe ich gar nicht verändert.  Ich habe oben und unten die Größe 46 genommen. Die Grasser Schnitte sind nähmlich Einzelgrößenschnitte, d.h. man muss jede Größe einzeln kaufen. Dafür sind sie sehr günstig, ich habe für beide Teile knapp 3 Euro bezahlt. 
Pyjama nähen

Der Pyjama ist locker geschnitten. Vielleicht, werde ich beim nächsten Versuch die hintere Mittelnaht um 1-2 cm verlängern. Das liegt aber ein meiner Poform, eine häufige Änderung, die ich bei Hosen machen muss.
Pyjama nähen

Der Pyjama hat schon eine Nacht überstanden. Eigentlich fühle ich mich wohl. Der Stoff ist angenehm atmend und man fühlt sich auch am Morgen gut angezogen :) Der Stoff für die nächste Version ist auch schon gekauft. Schon wieder eine stark reduzierte Baumwolle, diesmal aber in einer für mich attraktiveren Farbe :)

Schnitt: Pyjama von Grasser, Gr. 46
Stoff: Baumwolle aus Karstadt
Fotos: meine

Pyjama nähen

Ich wünsche euch allen einen guten Start in die neue Woche und verlinke mich beim Creadienstag.





Dienstag, 27. Februar 2018

Softshelljacke "Susan"

Susan von Pattydoo

Eine ungewöhnlich lange Zeit ist seit meinem letzten Post vergangen, und ich komme mit keiner Entschuldigung dafür :) Der einzige Grund dafür ist, dass ich mich in der letzten Zeit einfach nicht so fotogen gefühlt habe. Passiert, oder? Die Kleider wurden fleißig genäht und einiges davon auch auf Instagram gezeigt. Aber jetzt komme ich wieder in die Spur und zeige heute meine Softshelljacke die schon letztes Jahr entstanden ist. Der Blogbeitrag wurde teilweise damals schon geschrieben, was den Vorteil hat, dass die Eindrücke vom Nähen noch frisch waren. Also, ich präsentiere meine...

Übergangsjacke für jeden Tag


Seitdem Ina von Pattydoo das Wort Softshell im August 2017 in ihrem Newsletter fallen ließ, wartete ich auf den neuen Schnittmuster sehnsüchtig. Zwei-drei Wochen vor dem Erscheinen hat sie ein Instagramfoto von der Jacke gepostet, und ich wusste schon: das ist das, was ich brauche. Es gibt andere Indie-Schnittmuster für Softshell, und auch in Ottobre gab es ein Modell “Everyday Wear”, dass ich sogar angefangen habe, doch ich wusste, dass wenn das ein Schnittmuster von Pattydoo ist, dann kommt es mit einer Videoanleitung raus und wird Schritt für Schritt wirklich einfach erklärt. Und so war es. Bei der Ottobre Jacke blieb ich schon am Anfang stecken: ich wusste nicht, ob ich die Nahtzugaben absteppen und versäubern soll, ob ich sie an den Rundungen einschneiden soll, ich hatte viele Fragen… Ich habe entschieden, auf das Video von Pattydoo zu warten. Das war eine richtige Entscheidung. 

Das Video ist ca. 1 Stunde lang und ist, wenn ich mich nicht täusche, das längste von allen Pattydoo Videos. In dieser Stunde ist die ganze Information zum Nähen einer Jacke reingequetscht. Ich denke, dass es sehr viele Stunden Arbeitszeit von mehreren Leuten hinter dieser Stunde Video verstecken. Es ist wirklich gut durchdacht. Ich habe mir das Video ein mal angeschaut und danach noch mal abgespielt und jeden Schritt wiederholt. Das ging richtig einfach. Nach meinem Boucle-Mantel war es ein echtes Vergnügen: schnell zugeschnitten, schnell genäht, schnell angezogen. Ich weiß es nicht, wieviele Stunden ich an der Jacke gearbeitet habe, weil ich fast jeden Abend 1-2 Nähte vor dem Schlafengehen genäht habe. Ich schätze, dass wenn man an einem Sonntag ca. Um 10 mit dem Zuschnitt beginnt, dann ist man zum Abendessen fertig :)

Ein Paar Tage vor dem Erscheinen des Schnittmusters kam ein Newsletter mit der Information über den Stoffverbrauch. Die angegebene Zahl, 290 cm für Gr. 40, kam nicht nur mir zu groß vor. Vor allem habe ich nur 170 cm gekauft… Darüber gab es eine große Diskussion auf Facebook. Sobald ich das Schnittmuster gekauft habe, habe ich alle Teile ausgeschnitten und sie auf mein Stoffstück gelegt. Ich habe mich für Gr. 38 entschieden, weil die anderen Pattydoo Schnittmuster in Gr. 40 mir zu groß waren.

Das Stück Stoff, dass ich hatte, war 176 cm lang und 145 cm breit und es passte nur der Saumbeleg nicht rein. Ich muss sagen, dass ich jeden Quadratcentimeter Stoff effizient genutzt habe :) Da ich mein Stoff in einem Laden vor Ort gekauft habe, bin ich nochmal dahin gefahren und noch ein kleines Stück von 30 cm gekauft. Das war das Mindeste, was sie abschneiden. Mir hätten 10 cm gereicht. Ich habe aber schon eine Idee, was ich mit dem Stoffrest mache :) Fazit: Stoffverbrauch bei Gr. 38 lag bei mir bei ca. 190 cm, also ein Meter weniger als angegeben. Ich bin froh, dass ich keine 290 cm gekauft habe.
Susan von Pattydoo

Zu dem Verarbeiten gibt es nicht viel zu sagen, im Video ist schon vieles gesagt. Für die Taschen habe ich zwei Stücke von einem endlosen Reißverschluss verwendet. Die Säume und die untere Kragenkante habe ich mit einem fertig gefalztem Schrägband versäubert. Insgesamt habe ich 3 Meter davon gebraucht. Der Softshell ließ sich ziemlich gut nähen, jedoch an zwei Stellen hatte ich ein Problem: meine Maschine hat Stiche ausgelassen. Nach einem kurzen hin und herprobieren, Nadelwechseln und im Internet Recherchieren habe ich verstanden, dass das passiert, wenn oben und unten die rechte Seite vom Stoff liegt. Zum Beispiel, beim Absteppen des Kragens an einer Nahtzugabenhälfte. Geholfen hat ein Stück von wasserlöslichem Stickvlies drunterlegen und drübernähen. Ich glaube, das würde auch mit einem Streifen Zeitungspapier genauso gut funktionieren. Das Problem war schnell verstanden und gelöst, was die Geschwindigkeit des Anfertigens dieser Jacke nicht beeinflusst hat. Und somit auch das Gefühl der Zufriedenheit, schnell und einfach ein sehr praktisches, schlichtes und gut aussehendes Kleidungsstück erstellt zu haben.

Die flauschige Seite des Softshells haftet beim Anziehen ein Bisschen an den Ärmeln des Pullis. Normale Futterstoffe sind nicht umsonst so glatt :) Dadurch dass der Stoff ein reiner Synthetikstoff ist, ist die Jacke auch nicht besonders warm, eher für den Übergang gedacht. Sie blockiert den Wind und fängt Nässe gut ab, jedoch für den Winter eindeutig zu dünn. Weil ich im Winter gerne friere, habe ich die Jacke bis jetzt nur 3-4 mal angehabt. Aber es wird auch bald wieder Frühling :)
Susan von Pattydoo

Die Passform finde ich ziemlich gut, obwohl ich das nächste mal doch meine gewöhnliche Größe 40 zuschneiden werde. Im Schulterbereich liegt meine Jacke schon ziemlich eng an, nicht so wie ich bei den Oberteilen gewohnt bin. Sonst hängt bei mir etwas Stoff auf dem Rücken über. Nach dem Berachten von den anderen genähten Susies habe ich verstanden, dass es ein verbreitetes Problem ist. In der Pattydoo Facebook Community sieht man Beispiele mit dem breiten Gummiband auf dem Rücken. Ich glaube, dass man am Schnittmuster in diesem Bereich nur begrenzt etwas Ändern kann, weil die Wienernähte nicht zu “gebogen” sein dürfen, sonst legen sich die Nahtzugaben von steifem Softshell nicht richtig rein. Das ist nur meine Vermutung, ich würde bei der nächsten Jacke den Rückenbereich lieber so lassen. Im sportlichen Stil, so zu sagen :)
Softshelljacke nähen

Der Schnitt von diese Jacke ist sehr gut durchdacht. Eine abnehmbare Kapuze, die an dem Kragen mit Kam Snaps befestigt wird, und die verschließbare Seitentaschen, der Untertritt am vorderen Reißverschluss - das alles deutet darauf hin, dass das Pattydoo-Team sich viele Gedanken um diesen Schnitt gemacht hat. Falls ich noch eine Softshelljacke brauche, wird es sehr wahrscheinlich wieder die Susan sein. Einfach aus dem Grund, weil sie alles hat, was ich von so eine Jacke erwarte, und dazu ziemlich einfach nachzunähen ist. Ich bin begeistert.
Softshelljacke nähen

Die Fotos sind beim Wandern entstanden. In Match und mit gefrohrenem Gesicht. Ich hoffe, dass man trotzdem etwas erkennen kann. Mein Fotograf hat sich wieder Mühe gegeben :)
Softshelljackenähen

Schnitt: Jacke Susan von Pattydoo
Stoff: Schwarzer Softshell mit hellgrauen Innenseite, vom Stofflager in Griesheim
Fotos: Meine

Ich wünsche euch allen einen schönen Anfang der neuen Woche und verabschiede mich … hoffentlich für eine kurze Zeit diesmal.
Softshelljacke nähen


Mittwoch, 10. Januar 2018

Mein Weihnachtskleid 2017/18


Erstaunlich, dass die etwas magische Weihnachtsstimmung so schnell verfliegt und der kühle und etwas graue Januaralltag kommt als Nichts wäre. Im Weihnachtsvorbereitungsstressmonat Dezember habe ich meinen Blog etwas zu wenig gepflegt und nur das eine oder andere Bild auf Instagram gepostet mit dem Versprechen "coming soon..."

Heute präsentiere ich mein diesjähriges Weihnachtskleid. Von dem Sew Along habe ich rechtzeitig erfahren, doch war ich mir wie immer nicht sicher, ob und welches Kleid ich mir diesmal nähen soll. Die Entscheidung habe ich ohne viel zu überlegen getroffen: es wurde Kleid 119 aus Burdastyle 8/2017.

Wow, das ist schon das zweite Kleid aus dieser Ausgabe (das erste ist hier). Es passiert mir ziemlich selten, dass mir mehrere Modelle aus einem Heft gut gefallen. Ich muss sagen, dass mir die Ausgaben des letzten halben Jahres sehr gut gefallen. Während ich aus dem Jahr 2016 insgesamt vielleicht zwei oder drei Modelle interessant fand, sind in den Ausgaben der letzten 6 Monate mindestens 10 interessante dabei. Ich empfinde den Redaktionswechsel von Burda Style als sehr positiv.

Inspiriert hat mich zu diesem Kleid Sandra auf ihrem Blog Zufall, wenn's klappt. Ohne sie hätte ich gar nicht bemerkt, dass der Schnitt mit vier Schwierigkeitspunkten belegt ist. Meiner Meinung nach ist das aber nicht gerechtfertigt, weil das Kleid nicht schwerer zu nähen ist als die anderen Modelle.

Weil es zum Kleid keinen Futterschnitt gibt, habe ich es auch ohne Futter genäht. Normalerweise mag ich gefütterte Kleider mehr, insbesondere im Winter, wenn unter dem Kleid auch mal eine dicke Strumpfhose getragen werden soll. Bei diesem Modell war ich mir aber nicht sicher, wie ich das Futter konstruieren soll. Mit so vielen Drapierungen muss das Futter eigentlich einen einfachen Schnitt mit Abnäher haben, wie z.B. in diesem Kleid. Doch war es mir zu riskant, den Schnitt aus den Drapierungen selbst zu "erraten". Ich habe entschieden, dass ich einfach ein Unterkleid drunterziehe. Im Endeffekt hat sich das als eine richtige Entscheidung erwiesen.

Ich habe mich für einen Anzugstoff entschieden, den ich auch schnell im Laden vor Ort (Gigant Stoffe Pfungstadt) gekauft habe. In diesem Laden sind die Stoffe auf große Ballen gewickelt und nicht nur die Zusammensetzung sondern auch der Preis oft nicht ausgezeichnet. Deswegen musste ich meine, neulich auf dem Workshop in Köln vertieften, Kenntnisse zum Erraten der Stoffbestandteile anwenden. Der Ergebnis lautet: ein Wollstoffgemisch. Vielleicht so genannte Halbwolle aus 50% Wolle und 50% Polyester. Von der Handhabung und dem Tragen her ein durchaus angenehmer Stoff. Man sieht es wahrscheinlich nicht auf den Bildern, aber der Stoff hat dünne satinierte eingewebte Streifen.

Genäht habe ich nach der Anleitung in der Größe 40, die ich auch sonst immer ausschneide. Obwohl sich meine Figur nicht geändert hat, musste ich die Taille gar nicht anpassen, wie es sonst der Fall ist. Die taillierten Kleider aus Burda Style sind mir normalerweise 4-8 cm in der Taille zu breit. Dieses aber saß perfekt. Und auch der Ausschnitt stand nicht ab, wie es auch sonst so oft der Fall ist. Die Sache mit dem Ausschnitt habe ich aber im Vorfeld am Schnittmuster geprüft und war positiv überrascht zu erfahren, dass der vordere Ausschnitt schon im Schnittmuster kleiner als der hintere ist. Also, habe ich den Ausschnitt so belassen wie er war und im Endeffekt hat er auch gut gepasst. Die zwei Kleinigkeiten, die ich verändert habe, sind die Länge und die Rückenbreite und Rückenlänge. 

Schon auf dem Bild im Magazin sah ich, dass das Kleid ziemlich lang ist. Etwas längere Kleider sind wieder modern, doch passen sie gar nicht zu meiner Beinform. Um Stoff zu sparen, habe ich schon beim Zuschnitt die Länge um 4 cm reduziert, also einfach ohne Nahtzugabe zugeschnitten. Den Gehschlitz vorne habe auch weggelassen.

Die Anpassungen am Rücken waren minimal: ich habe den oberen Punkt der rückwärtigen Mittelnaht (Reißverschluss) um 1 cm nach unten verschoben, also den Rücken um 1 cm in der Mitte gekürzt. Und auch etwas Breite in die Mittelnaht weggenommen, ca. 1 cm insgesamt. Ich habe zum ersten Mal die Rückenanpassungen an meiner individuellen Schneiderpuppe gemacht und es sehr genossen. Ein ganz neues Gefühl :) Eine Möglichkeit wie nie zuvor.

Auf dem Bild sieht man leichte Falten, weil ich leicht ungerade stehe. Auch nach der Autofahrt ist der Stoff hinten leicht zerknittert.

Die Anleitung zu dem Modell ist etwas verwirrend geschrieben. Ich habe nicht verstanden, warum man manche Teile an den Linien umschlagen und heften soll. Nach Rumprobieren habe ich sie einfach bündig aneinander gesteppt und Falten gelegt. Vielleicht ist meine Denkweise etwas anders, aber ich finde das Heften an dieser Stelle unnötig.

Das Kleid war nach ein paar Abenden fertig. Ich habe es am Sonntag zugeschnitten und danach kontinuierlich nach der Arbeit ein Bisschen genäht. Viel Zeit kann ich fürs Nähen nach der Arbeit nicht investieren. Ich bin froh, wenn ich mich eine Stunde lang pro Arbeitstag damit beschäftigen kann.

Ich muss sagen, ich habe dieses Modell für mich als sehr gelungen empfunden. Der Wollstoff ist schlicht, doch die glänzenden Streifen und die Drapierungen machen das Kleid etwas festlicher. Man kann ruhig etwas mehr essen, das Vorderteil des Kleides ist dafür günstig gerafft :)

Ich habe das Kleid an Weihnachten und auch an Silvester getragen und fand es ziemlich bequem. Und Komplimente haben das Kleid und natürlich auch ich bekommen :)

Ich wünsche euch allen einen guten Start ins neue Jahr und freue mich auf die neuen Herausforderungen, die unsere Nähzukunft bestimmt bringen wird!


Stoff: Wollgemisch vom Gigant Stoffe Pfungstadt
Fotos: meine

Mittwoch, 29. November 2017

Novemberblues und der neue Wintermantel


Wie wahrscheinlich für die meisten von euch, gehört November sicherlich nicht zu meinen Lieblingsmonaten. Die Sonne geht früh unter, und an manchen Tagen habe ich das Gefühl, dass sie erst gar nicht aufgeht. Es wird nicht so richtig hell. Gemütlich finde ich November auch nicht. Die Weihnachtsstimmung ist noch nicht da, obwohl Lebkuchen beim Discounter schon seit August zu haben ist. Ich tendiere auch zu spät zu meiner Winteroberbekleidung wechseln, was dazu führt, dass ich die ganze Zeit friere.

Nähbloggertreff in Köln


Mitte November dieses Jahr war ich auf einer tollen Veranstaltung in Köln - auf dem Kölner Nähbloggertreff. Das war die erste Veranstaltung dieser Art, die ich besucht habe, auch teilweise aus dem Grund, weil mein Blog noch relativ neu ist. Ich habe mich im August angemeldet und als die Zeit gekommen ist, wusste ich nicht so recht, ob ich wirklich hin will. Ich bin doch hingefahren und die Entscheidung überhaupt nicht bereut. Das Wochenende wurde von A bis Z top organisiert, und war für mich sehr erlebnisreich. Ich habe viele interessante Gespräche geführt und viele tolle Leute getroffen. Ich fühle mich jetzt richtig in der Nähbloggerwelt angekommen, was mich weiter motiviert, hier zu posten.

Ich habe tolle Ideen und Inspirationen bekommen. Es gab sogar zwei Workshops. Einen über Materialkunde, oder wie man erkennt, woraus der eine oder andere Stoff besteht. Den Workshop haben zwei Expertinnen in dem Gebiet gegeben, Elke und Constanze. Der andere Workshop handelte vom richtigen Maßnehmen mit dem Profischneider Sebastian Hoofs. Obwohl ich in beiden Themen schon etwas Vorwissen hatte, fand ich beide Workshops für mich äußerst interessant. Auf dem Tauschmarkt habe ich die mir fehlenden Ausgaben von Schnittmustermagazins absolut kostenlos ergattert. Auch ein zuckersüßes Stück Jersey mit Nähmotiven, den Constanze nicht verarbeiten wollte, ich aber gerne, ist bei mir eingezogen. Und natürlich nochmal zu betonen: unersetzbare Kontakte. Alles in einem: es war toll und ich komme gerne wieder :)

Alfatex in Weiterstadt


Gestern habe ich erfahren, dass einer meiner Lieblingsstoffläden vor Ort zugemacht hat: die Alfatex-Filiale in Weiterstadt. Anfang November kam ein Newsletter, den ich natürlich nicht aufgemacht habe, und somit über die Schließung viel zu spät erfuhr. Es hat mich schon etwas erschlagen, weil ich den Laden ziemlich oft besucht habe und mit der Auswahl der Stoffe und Beratung sehr zufrieden war. In meinem nicht all zu kleinem Stofflager zuhause gibt es noch einige Alfatex-Stoffe, die auf ihre Verarbeitung warten. Zu meinem anderen Lieblingsladen “Das Stofflager” in Griesheim war Alfatex eine tolle Ergänzung. Was kann ich sagen… Marktwirtschaft halt...

Der Mantel


Ich glaube, jetzt ist genug Herbstblues… Es gibt eine gute Nachricht: ich habe wieder etwas genäht :). Und schon sogar fleißig getragen. Meinen Übergangsmantel.

Seit Jahren wollte ich mir einen Trenchcoat nähen. Ich habe sogar schon alles da: das Schnittmuster, die Stoffe, das passende Garn, sogar die Knöpfe und Schnallen. Die Menge der Arbeit hat mich aber immer abgeschreckt, und, natürlich, der Mangel an Erfahrung im Oberbekleidungssegment :) Als eine Art Auftakt zu meinem längst ersehnten Trenchcoat entstand dieser Mantel. In vielen Aspekten ein Debut für mich: das erste mal einen Mantel genäht, das erste mal einen Boucléstoff verarbeitet und das erste mal mit einem großen teils asymmetrischem Karomuster gearbeitet. Weil es diesmal so viel Neuland für mich war, habe ich mir den einen oder anderen Fehler erlaubt. Erstaunlicherweise waren es nicht so viele, vielleicht sogar weniger, als bei einem meiner normalen Projekte.

Zuerst waren da das Schnittmuster und der Stoff, sie haben ziemlich schnell zueinander gefunden. Ich habe die Burdastyle-Ausgabe von Dezember 2016 rausgeholt, um mir die Capes anzuschauen, die ich vorher im Internet gefunden habe. Und da war er, der Mantelschnitt, den ich unbedingt haben wollte. Unter der Rubrik “Brit Chic” in einem tollen Karostoff verarbeitet. Die Capes habe ich sofort vergessen und fing an, im Internet nach einem passenden Stoff zu suchen.

Normalerweise kaufe ich die Stoffe vor Ort. In meiner Nähe gibt es mehrere Geschäfte, die sehr viele Stoffe für jeden Geschmack anbieten. So eine Stoffgeschäftrunde tut mir sowieso immer gut. Wie wahrscheinlich viele von euch, kaufe ich sehr gerne Stoffe ein oder verbringe einfach ein bisschen Zeit in einem Stoffladen. Das ist ein guter Ausgleich für den Alltag. Es war Anfang September und es wurde schon ziemlich kühl draußen, trotzdem waren die Geschäfte immer noch im Sommermodus, voll mit Sommerbatist und Viskosejerseys. Kein Zeichen von Wolle.

Meinen Traumstoff habe ich bei stoffe.de gefunden. Ich arbeite mit solcher Farbe nicht oft, bin eher ein Rottonmensch. Dieser Stoff hat es mir aber sofort angetan. Ein Bouclé, der als Mantelstoff bezeichnet wurde, in schwarz mit strahlendem Türkiskaromuster. An dieser Stelle muss ich erwähnen, dass die Empfehlung von Burda für dieses Modell exakt nach diesem Stoff klang. Auf jedem Schnittteil ist die Position des Karos markiert, was die Musteranpassung erleichtert hat. Das Futter wurde auch direkt auf der Seite als farblich passend empfohlen und landete auch im Warenkorb. Von Neva Viscon Futter habe ich sowieso viel Gutes gehört: reine Viskose, lädt nicht statisch auf und ist vom Griff her etwas hochwertiger. Der Meterpreis des Futters lag auch höher als beim Oberstoff, was mein Vertrauen in dieses Futter weckte.

Es war mir ein Rätsel, wie ich den Oberstoff vor dem Zuschnitt vorbereiten soll. Nämlich, waschen oder nicht waschen? Wenn nicht waschen, dann was? Nach der Internetrecherche wurde ich etwas schlauer, aber auch nicht ganz. Die Empfehlungen den Stoff nicht zu waschen haben darauf basiert, dass der fertige Mantel auch nicht gewaschen werden soll. Also nur chemisch reinigen. Damit war ich nicht ganz einverstanden. Ich weiß nicht, ob ich irgendwann doch den Mantel selber waschen will. Ich habe alle offenen Kanten des Stoffes mit der Overlock versäubert und ihn in die Maschine in der Stufe “Seide/Wolle” 30% geschmissen. Es hat dem Stoff nicht geschadet. Zusätzlich habe ich das ganze Stück durch ein nasses Tuch von links gebügelt. Falls er irgendwann einläuft, werde ich sauer. Ich habe alles Mögliche getan. Bei so einem Mantelvelours hätte ich vielleicht auf das Waschen verzichtet, und nur mit Dampf gebügelt. So einen Mantel würde ich auch nicht in der Maschine waschen wollen. Aber ein Wollbouclé kann viel ab.

Der Zuschnitt hat zweieinhalb Tage gedauert. Bei der Musteranpassung habe ich einige Fehler gemacht, und, obwohl ich reichlich Stoff hatte, hat er mir für ein kleines Stück am Kragen nicht gereicht. Ich habe noch 50 cm nachbestellen müssen. Der Stoff war nicht teuer, und es war sogar eine versandkostenfreie Aktion von stoffe.de, deswegen ging das problemlos. Wenn man so große Karos anpassen muss, arbeitet man lieber einlagig. Es sind insgesamt 28 Teile, die nur aus dem Oberstoff ausgeschnitten werden mussten. Das ist aber nicht alles, was den Zuschnitt so unglaublich lange und konzentrationsbedürftig gemacht hat. Weil der Stoff aus sehr losen dicken Faden besteht, franst er enorm aus. Ich habe vor dem Zuschnitt alle Nahtzugaben mit Schrägstreifen dünner Vlieseline beklebt. Die ganze vordere Seite wurde komplett mit H 410 beklebt, so ist es auch von Burda empfohlen. Das heißt, ich habe die Vlieseline an den Stoff gesteckt, grob mit Rand ausgeschnitten, aufs Bügelbrett gelegt, gebügelt, dann noch mal am Rand ausgeschnitten, und das 28 mal :) Das war das Schwerste. Gefranst, gefusselt und gestaubt hat der Stoff trotzdem, aber ich denke, weniger, als wenn er unbearbeitet geblieben wäre.

Ich habe im Endeffekt beim fertigen Mantel jede Naht innen auch noch mal mit der Overlock versäubert. Sicher ist sicher. Das Futter ist auch innen versäubert. Die Entscheidung habe ich getroffen, nachdem ich zwei von meinen gekauften Mäntel abgetastet habe und entdeckte, dass bei einem die Futternahtzugaben auch versäubert sind.

Am Schnittmuster habe ich nichts geändert. Mir war von Anfang an klar, dass ich ein Probestück nähen müsste, wenn ich bei dem Modell und Stoff irgendwelche Änderungen hätte machen wollen. Weder Bouclé noch Karo erlauben solche Freiheiten. Ich habe entschieden, dass ein Mantel sowieso nicht so körpernah sein muss, deswegen braucht er auch nicht so viel Anpassung wie z.B. ein Etuikleid oder eine Hose.

Die Schwierigkeit von so einem Mantel ist, dass der Stoff ordentlich dicker ist als gewohnt. Aus unzähligen Nähkursen, die ich online erworben habe, Büchern, Blogs und frei verfügbaren Videos wusste ich schon seit langem, was man mit dicken Stoffen so macht. Mit Nahtzugaben, Ecken, Abnähern usw. geht man etwas anders um: man schneidet alles weg, was zusätzliche Dicke bringen kann. Ich kann nur sagen, dass 4-5 Lagen von so einem Stoff nicht mehr unter den Nähfuss meiner Nähmaschine passen. Erfahrungswert :) Die Nähte an dem Oberstoff sind alle auseinandergebügelt. Bouclé ist ein sehr plastischer Stoff, deswegen mussten die NZ nicht so eng an den Rundungen abgeschnitten werden. Ich hatte sowieso Angst, zu dicht an die Naht zu schneiden, weil der Stoff so sehr franst. An der einen oder anderen Stelle habe ich mich für die Dicke und gegen das Risiko entschieden. Eine professionelle Schneiderin hätte da bestimmt mehr abgeschnitten. Aber was soll ich dann mit einer auseinander gefallenen Ecke? Lieber mit dem Bügeleisen plattbügeln.

Das Bügeln ist natürlich ein Thema für sich. Der Stoff hat sich ziemlich gut bügeln und formen lassen. Ich habe die kniffligen Stellen mit einem Holzbrettchen plattgedrückt, so wie ich es in Couturevideos gesehen und in Foren gelesen habe. Ich habe auch durch ein nasses Mulltuch von links gebügelt, um die Struktur des Stoffes von rechts nicht plattzudrücken. Auch hier habe ich hier und da etwas mehr plattgedrückt als es nötig war, mangels Erfahrung.

Die Säume sind komplett von Hand angenäht. Ich habe eine Diskussion auf Facebook angeleitet, in der sich zahlreiche Leute mit Vorschlägen meldeten, wie man es mit der Maschine macht. Ich denke, Burda empfiehlt nicht umsonst, es von Hand zu machen. Ich kann mir auch kaum vorstellen, diesen schweren Stoff durch die Öffnung in dem dünnen Futter durchzuziehen. Sicher ist sicher. Ich nähe sowieso viel zu wenig von Hand :)

Die Knopflöcher, die meine Maschine auf diesem Stoff gemacht hat, sahen furchtbar aus. Sie wollte ihn von rechts gar nicht transportieren, und nachdem ich oben und unten mit dem Stickvlies unterlegt habe, ging das halbwegs, sah aber ziemlich schlecht aus. Auch von diesem Problem habe ich schon gehört, und es empfiehlt sich, an so einem Stoff die Knopflöcher von Hand zu bearbeiten. Sie sehen besser aus und halten besser.

Da ich noch nie die Knopflöcher von Hand bearbeitet habe, musste ich erstmal üben. Der 50-ger Knopflochgarn hat sich als zu dünn erwiesen, ich habe den Zierstichgarn von Güttermann verwendet. Zum Glück ist die schwarze Farbe nicht schwer zu bekommen. Auch hier habe ich die richtige Technik im Internet und in den Videos zum Buch “Couture Cardigan Jacket” von Claire Schaeffer abgeschaut. Die ersten Knopflöcher sahen schlecht aus, sie wurden aber immer besser. Ich habe insgesamt ca. 10 Probeknopflöcher genäht.

Den Knopflochbereich habe ich mit einer wasserlöslichen aber nicht selbstklebenden Stickvlieseline belegt und mit Handstichen fixiert. Danach habe ich das Knopfloch mit einem Stift markiert und den Bereich mit einem mit der Maschine genähtem Rechteck fixiert. Dieses Rechteck ist auch eine gute Markierung für die Handstiche. Ohne Vlieseline ist schwarz auf schwarz kaum sichtbar, außerdem franst der Stoff sehr stark aus, so dass ein perfektes Nahtbild kaum möglich ist. Ich habe das Knopfloch an der Markierung ausgeschnitten und die Schnittkante sofort mit einem Bastelleim bearbeitet, den ich mit einem Zahnstocher aufgetragen und verteilt habe. Das Garn habe ich mit einem Bienenwachs gewachst. Diese beiden Tricks habe ich aus dem Buch “Couture Cardigan Jacket” gelernt. Das Nähen habe ich aber anders gemacht: ich habe die Nadel nicht von hinten, sondern von vorne reingestochen. Aus den Probeversuchen hat sich diese Vorgehensweise als akkurateste erwiesen. Nach dem ich mit dem Handnähen fertig war, habe ich die Vlieseline rausgerissen und die Reste mit einem nassen Tuch abgetupft. Ich bin mit dem äußeren Erscheinen der Knopflöcher sehr zufrieden. Der Wachs macht sie etwas steif, aber wahrscheinlich auch robust.

Ich bin sehr froh, dass ich mit diesem Projekt nun endlich fertig bin. Es hat für viel Unordnung in meinem Schlafzimmer gesorgt, abgesehen von der Staubsaugaktion, die ich mehrmals am Tag durchführen musste. Der Staub lag überall rum und manchmal hatte ich den Eindruck, dass ich nur diesen Staub einatme.

Die Farbe kam in meiner Bekanntschaft sehr gut an. Etwas frisches, winterliches… Bouclé ist momentan total angesagt, und ich träume schon seit einiger Zeit, oder seit dem Kauf des Buchs von Claire Schaeffer von einem Chanel-couture-Jacket. Aber vielleicht erstmal ein kleines Projekt zur Entspannung…

Schnitt: Burda Style 12/2016, mod. 102, genäht in Größe 40
Stoff: Mantelstoff Boucle in schwarz-türkis und Futterstoff Neva Viscon in türkis, beide von stoffe.de
Fotos: meine

Ich glaube, dass ich mit meinem Mantel bei heutigem MMM etwas aus der Reihe tanze. Alle nähen schon ihre Weihnachtsoutfits und Geschenke. Ich würde auch gerne bei so einem Sew Along teilnehmen, nur, so wie ich mich kenne, werde ich am Ende immer noch viertel vor fertig...