Dienstag, 20. März 2018

Sweet dreams

Pyjama nähen



Eigentlich ist dieser Pyjama gar nicht mein Typ. Ich bin eher so ein Jerseypyjamatyp. Kragen und Knöpfe an einem Pyjama fand ich immer ziemlich altmodisch. Warum ist dieser Pyjama dann entstanden?

Ich habe schon hier und da erwähnt, dass ich momentan einen sehr interessanten Kurs über Fashion-Illustration in einer Onlineschule mache. Die Schule heißt Grasser und ist eine russische Schule :) Ja-ja, dort gibt es auch deutsche Namen, und Grasser ist nicht anderes als der Nachname der Gründerin. Ich finde den Kurs und die Schule wundervoll. Sie haben übrigens auch eine gute Kollektion der modernen Schnittmuster. Irgendwann nähe ich mir so einen Trenchcoat (link). Leider ist ziemlich alles auf Russisch unterrichtet...

Ich war auf der Grasser-Webseite stöbern, als ich zwei Youtube-Videos (Teil 1 und Teil 2) gesehen habe. Auf den Videos war eine Schritt für Schritt Anleitung zum Nähen eines Pyjamas. Die Schnittmuster des Oberteil und der Hose sind auf der Seite zu erwerben. Ich habe mir die Anleitung angeschaut und habe sofort entschieden, dass ich Lust habe, so einen Pyjama zu nähen. Nicht zu haben, nicht zu tragen, sondern ich hatte Lust auf den Prozess des Nähens, was bei mir selten der Fall ist. Normalerweise bin ich hin und weg von der Klamotte :) Und das Nähen führt dazu, dass ich sie habe.

Im Video ist ein Baumwollstoff verarbeitet. Dieser Stoff ist meiner Meinung nach leicht zu verarbeiten. Man kann den eigenen Perfektionismus ausleben, wenn man will. Und ich wollte :)

In meinem Stofflager zuhause habe ich zwei Meter Baumwolle gefunden, die ich irgendwann gekauft habe, weil sie stark reduziert war. Manche von euch kennen das bestimmt: "Waaaas, der Stoff ist nur 3.99 pro Meter? Na dann muss ich zwei Meter mitnehmen!" Zwei Meter haben für diesen Zweiteiler aber nicht gereicht, eigentlich benötigt man drei. Deswegen habe ich noch Kombistoff dazu auch sehr günstig gekauft. Die Farben sind... naja.... Probestoff halt. Was kann ich sagen... der Pyjama sieht pyjamig aus.

So einfach zu nähen war der Zweiteiler doch nicht. Die Nähte sind teilweise nicht so perfekt geworden, wie ich es mir erhofft habe. So eine "ungefüllte" Paspel zu verarbeiten fand ich nicht leicht. Ein Millimeter nach links oder rechts - und schon sieht das Ding unordentlich aus.
Pyjama nähen

Was ist an diesem Pyjama toll fand, sind die doppelte Kappnähte. Man benötigt gar keine Overlock, nur die Nähmaschine zum Nähen. Alle Nähte sind innen sauber und geschlossen. So, wie es zu einem Nachtwäschestück eigentlich dazu gehört. Dadurch dass man alles mit der Nähmaschine näht, kann man den Pyjama perfekt bei einem Nähtreff nähen. Von der Zeit her ist das ca. ein Tag arbeit. Wenn man das Quatschen und Kaffeetrinken mit dazurechnet :)

Pyjama nähenEine Herausforderung war auch der Bund an der Hose. Das 4 cm breite Gummiband ist von beiden Seiten an eine Seite des Bundes festgesteppt. Danach wurde der Bund im gedehnten Zustand an die Hose festgesteppt. Die Mühe hat sich hier aber gelohnt. Der Bund sieht sehr schön aus und fühlt sich sehr gut an.Pyjama nähen
Ich habe mich sehr streng an die Anleitung gehalten. Auch den Schnitt habe ich gar nicht verändert.  Ich habe oben und unten die Größe 46 genommen. Die Grasser Schnitte sind nähmlich Einzelgrößenschnitte, d.h. man muss jede Größe einzeln kaufen. Dafür sind sie sehr günstig, ich habe für beide Teile knapp 3 Euro bezahlt. 
Pyjama nähen

Der Pyjama ist locker geschnitten. Vielleicht, werde ich beim nächsten Versuch die hintere Mittelnaht um 1-2 cm verlängern. Das liegt aber ein meiner Poform, eine häufige Änderung, die ich bei Hosen machen muss.
Pyjama nähen

Der Pyjama hat schon eine Nacht überstanden. Eigentlich fühle ich mich wohl. Der Stoff ist angenehm atmend und man fühlt sich auch am Morgen gut angezogen :) Der Stoff für die nächste Version ist auch schon gekauft. Schon wieder eine stark reduzierte Baumwolle, diesmal aber in einer für mich attraktiveren Farbe :)

Schnitt: Pyjama von Grasser, Gr. 46
Stoff: Baumwolle aus Karstadt
Fotos: meine

Pyjama nähen

Ich wünsche euch allen einen guten Start in die neue Woche und verlinke mich beim Creadienstag.





Dienstag, 27. Februar 2018

Softshelljacke "Susan"

Susan von Pattydoo

Eine ungewöhnlich lange Zeit ist seit meinem letzten Post vergangen, und ich komme mit keiner Entschuldigung dafür :) Der einzige Grund dafür ist, dass ich mich in der letzten Zeit einfach nicht so fotogen gefühlt habe. Passiert, oder? Die Kleider wurden fleißig genäht und einiges davon auch auf Instagram gezeigt. Aber jetzt komme ich wieder in die Spur und zeige heute meine Softshelljacke die schon letztes Jahr entstanden ist. Der Blogbeitrag wurde teilweise damals schon geschrieben, was den Vorteil hat, dass die Eindrücke vom Nähen noch frisch waren. Also, ich präsentiere meine...

Übergangsjacke für jeden Tag


Seitdem Ina von Pattydoo das Wort Softshell im August 2017 in ihrem Newsletter fallen ließ, wartete ich auf den neuen Schnittmuster sehnsüchtig. Zwei-drei Wochen vor dem Erscheinen hat sie ein Instagramfoto von der Jacke gepostet, und ich wusste schon: das ist das, was ich brauche. Es gibt andere Indie-Schnittmuster für Softshell, und auch in Ottobre gab es ein Modell “Everyday Wear”, dass ich sogar angefangen habe, doch ich wusste, dass wenn das ein Schnittmuster von Pattydoo ist, dann kommt es mit einer Videoanleitung raus und wird Schritt für Schritt wirklich einfach erklärt. Und so war es. Bei der Ottobre Jacke blieb ich schon am Anfang stecken: ich wusste nicht, ob ich die Nahtzugaben absteppen und versäubern soll, ob ich sie an den Rundungen einschneiden soll, ich hatte viele Fragen… Ich habe entschieden, auf das Video von Pattydoo zu warten. Das war eine richtige Entscheidung. 

Das Video ist ca. 1 Stunde lang und ist, wenn ich mich nicht täusche, das längste von allen Pattydoo Videos. In dieser Stunde ist die ganze Information zum Nähen einer Jacke reingequetscht. Ich denke, dass es sehr viele Stunden Arbeitszeit von mehreren Leuten hinter dieser Stunde Video verstecken. Es ist wirklich gut durchdacht. Ich habe mir das Video ein mal angeschaut und danach noch mal abgespielt und jeden Schritt wiederholt. Das ging richtig einfach. Nach meinem Boucle-Mantel war es ein echtes Vergnügen: schnell zugeschnitten, schnell genäht, schnell angezogen. Ich weiß es nicht, wieviele Stunden ich an der Jacke gearbeitet habe, weil ich fast jeden Abend 1-2 Nähte vor dem Schlafengehen genäht habe. Ich schätze, dass wenn man an einem Sonntag ca. Um 10 mit dem Zuschnitt beginnt, dann ist man zum Abendessen fertig :)

Ein Paar Tage vor dem Erscheinen des Schnittmusters kam ein Newsletter mit der Information über den Stoffverbrauch. Die angegebene Zahl, 290 cm für Gr. 40, kam nicht nur mir zu groß vor. Vor allem habe ich nur 170 cm gekauft… Darüber gab es eine große Diskussion auf Facebook. Sobald ich das Schnittmuster gekauft habe, habe ich alle Teile ausgeschnitten und sie auf mein Stoffstück gelegt. Ich habe mich für Gr. 38 entschieden, weil die anderen Pattydoo Schnittmuster in Gr. 40 mir zu groß waren.

Das Stück Stoff, dass ich hatte, war 176 cm lang und 145 cm breit und es passte nur der Saumbeleg nicht rein. Ich muss sagen, dass ich jeden Quadratcentimeter Stoff effizient genutzt habe :) Da ich mein Stoff in einem Laden vor Ort gekauft habe, bin ich nochmal dahin gefahren und noch ein kleines Stück von 30 cm gekauft. Das war das Mindeste, was sie abschneiden. Mir hätten 10 cm gereicht. Ich habe aber schon eine Idee, was ich mit dem Stoffrest mache :) Fazit: Stoffverbrauch bei Gr. 38 lag bei mir bei ca. 190 cm, also ein Meter weniger als angegeben. Ich bin froh, dass ich keine 290 cm gekauft habe.
Susan von Pattydoo

Zu dem Verarbeiten gibt es nicht viel zu sagen, im Video ist schon vieles gesagt. Für die Taschen habe ich zwei Stücke von einem endlosen Reißverschluss verwendet. Die Säume und die untere Kragenkante habe ich mit einem fertig gefalztem Schrägband versäubert. Insgesamt habe ich 3 Meter davon gebraucht. Der Softshell ließ sich ziemlich gut nähen, jedoch an zwei Stellen hatte ich ein Problem: meine Maschine hat Stiche ausgelassen. Nach einem kurzen hin und herprobieren, Nadelwechseln und im Internet Recherchieren habe ich verstanden, dass das passiert, wenn oben und unten die rechte Seite vom Stoff liegt. Zum Beispiel, beim Absteppen des Kragens an einer Nahtzugabenhälfte. Geholfen hat ein Stück von wasserlöslichem Stickvlies drunterlegen und drübernähen. Ich glaube, das würde auch mit einem Streifen Zeitungspapier genauso gut funktionieren. Das Problem war schnell verstanden und gelöst, was die Geschwindigkeit des Anfertigens dieser Jacke nicht beeinflusst hat. Und somit auch das Gefühl der Zufriedenheit, schnell und einfach ein sehr praktisches, schlichtes und gut aussehendes Kleidungsstück erstellt zu haben.

Die flauschige Seite des Softshells haftet beim Anziehen ein Bisschen an den Ärmeln des Pullis. Normale Futterstoffe sind nicht umsonst so glatt :) Dadurch dass der Stoff ein reiner Synthetikstoff ist, ist die Jacke auch nicht besonders warm, eher für den Übergang gedacht. Sie blockiert den Wind und fängt Nässe gut ab, jedoch für den Winter eindeutig zu dünn. Weil ich im Winter gerne friere, habe ich die Jacke bis jetzt nur 3-4 mal angehabt. Aber es wird auch bald wieder Frühling :)
Susan von Pattydoo

Die Passform finde ich ziemlich gut, obwohl ich das nächste mal doch meine gewöhnliche Größe 40 zuschneiden werde. Im Schulterbereich liegt meine Jacke schon ziemlich eng an, nicht so wie ich bei den Oberteilen gewohnt bin. Sonst hängt bei mir etwas Stoff auf dem Rücken über. Nach dem Berachten von den anderen genähten Susies habe ich verstanden, dass es ein verbreitetes Problem ist. In der Pattydoo Facebook Community sieht man Beispiele mit dem breiten Gummiband auf dem Rücken. Ich glaube, dass man am Schnittmuster in diesem Bereich nur begrenzt etwas Ändern kann, weil die Wienernähte nicht zu “gebogen” sein dürfen, sonst legen sich die Nahtzugaben von steifem Softshell nicht richtig rein. Das ist nur meine Vermutung, ich würde bei der nächsten Jacke den Rückenbereich lieber so lassen. Im sportlichen Stil, so zu sagen :)
Softshelljacke nähen

Der Schnitt von diese Jacke ist sehr gut durchdacht. Eine abnehmbare Kapuze, die an dem Kragen mit Kam Snaps befestigt wird, und die verschließbare Seitentaschen, der Untertritt am vorderen Reißverschluss - das alles deutet darauf hin, dass das Pattydoo-Team sich viele Gedanken um diesen Schnitt gemacht hat. Falls ich noch eine Softshelljacke brauche, wird es sehr wahrscheinlich wieder die Susan sein. Einfach aus dem Grund, weil sie alles hat, was ich von so eine Jacke erwarte, und dazu ziemlich einfach nachzunähen ist. Ich bin begeistert.
Softshelljacke nähen

Die Fotos sind beim Wandern entstanden. In Match und mit gefrohrenem Gesicht. Ich hoffe, dass man trotzdem etwas erkennen kann. Mein Fotograf hat sich wieder Mühe gegeben :)
Softshelljackenähen

Schnitt: Jacke Susan von Pattydoo
Stoff: Schwarzer Softshell mit hellgrauen Innenseite, vom Stofflager in Griesheim
Fotos: Meine

Ich wünsche euch allen einen schönen Anfang der neuen Woche und verabschiede mich … hoffentlich für eine kurze Zeit diesmal.
Softshelljacke nähen


Mittwoch, 10. Januar 2018

Mein Weihnachtskleid 2017/18


Erstaunlich, dass die etwas magische Weihnachtsstimmung so schnell verfliegt und der kühle und etwas graue Januaralltag kommt als Nichts wäre. Im Weihnachtsvorbereitungsstressmonat Dezember habe ich meinen Blog etwas zu wenig gepflegt und nur das eine oder andere Bild auf Instagram gepostet mit dem Versprechen "coming soon..."

Heute präsentiere ich mein diesjähriges Weihnachtskleid. Von dem Sew Along habe ich rechtzeitig erfahren, doch war ich mir wie immer nicht sicher, ob und welches Kleid ich mir diesmal nähen soll. Die Entscheidung habe ich ohne viel zu überlegen getroffen: es wurde Kleid 119 aus Burdastyle 8/2017.

Wow, das ist schon das zweite Kleid aus dieser Ausgabe (das erste ist hier). Es passiert mir ziemlich selten, dass mir mehrere Modelle aus einem Heft gut gefallen. Ich muss sagen, dass mir die Ausgaben des letzten halben Jahres sehr gut gefallen. Während ich aus dem Jahr 2016 insgesamt vielleicht zwei oder drei Modelle interessant fand, sind in den Ausgaben der letzten 6 Monate mindestens 10 interessante dabei. Ich empfinde den Redaktionswechsel von Burda Style als sehr positiv.

Inspiriert hat mich zu diesem Kleid Sandra auf ihrem Blog Zufall, wenn's klappt. Ohne sie hätte ich gar nicht bemerkt, dass der Schnitt mit vier Schwierigkeitspunkten belegt ist. Meiner Meinung nach ist das aber nicht gerechtfertigt, weil das Kleid nicht schwerer zu nähen ist als die anderen Modelle.

Weil es zum Kleid keinen Futterschnitt gibt, habe ich es auch ohne Futter genäht. Normalerweise mag ich gefütterte Kleider mehr, insbesondere im Winter, wenn unter dem Kleid auch mal eine dicke Strumpfhose getragen werden soll. Bei diesem Modell war ich mir aber nicht sicher, wie ich das Futter konstruieren soll. Mit so vielen Drapierungen muss das Futter eigentlich einen einfachen Schnitt mit Abnäher haben, wie z.B. in diesem Kleid. Doch war es mir zu riskant, den Schnitt aus den Drapierungen selbst zu "erraten". Ich habe entschieden, dass ich einfach ein Unterkleid drunterziehe. Im Endeffekt hat sich das als eine richtige Entscheidung erwiesen.

Ich habe mich für einen Anzugstoff entschieden, den ich auch schnell im Laden vor Ort (Gigant Stoffe Pfungstadt) gekauft habe. In diesem Laden sind die Stoffe auf große Ballen gewickelt und nicht nur die Zusammensetzung sondern auch der Preis oft nicht ausgezeichnet. Deswegen musste ich meine, neulich auf dem Workshop in Köln vertieften, Kenntnisse zum Erraten der Stoffbestandteile anwenden. Der Ergebnis lautet: ein Wollstoffgemisch. Vielleicht so genannte Halbwolle aus 50% Wolle und 50% Polyester. Von der Handhabung und dem Tragen her ein durchaus angenehmer Stoff. Man sieht es wahrscheinlich nicht auf den Bildern, aber der Stoff hat dünne satinierte eingewebte Streifen.

Genäht habe ich nach der Anleitung in der Größe 40, die ich auch sonst immer ausschneide. Obwohl sich meine Figur nicht geändert hat, musste ich die Taille gar nicht anpassen, wie es sonst der Fall ist. Die taillierten Kleider aus Burda Style sind mir normalerweise 4-8 cm in der Taille zu breit. Dieses aber saß perfekt. Und auch der Ausschnitt stand nicht ab, wie es auch sonst so oft der Fall ist. Die Sache mit dem Ausschnitt habe ich aber im Vorfeld am Schnittmuster geprüft und war positiv überrascht zu erfahren, dass der vordere Ausschnitt schon im Schnittmuster kleiner als der hintere ist. Also, habe ich den Ausschnitt so belassen wie er war und im Endeffekt hat er auch gut gepasst. Die zwei Kleinigkeiten, die ich verändert habe, sind die Länge und die Rückenbreite und Rückenlänge. 

Schon auf dem Bild im Magazin sah ich, dass das Kleid ziemlich lang ist. Etwas längere Kleider sind wieder modern, doch passen sie gar nicht zu meiner Beinform. Um Stoff zu sparen, habe ich schon beim Zuschnitt die Länge um 4 cm reduziert, also einfach ohne Nahtzugabe zugeschnitten. Den Gehschlitz vorne habe auch weggelassen.

Die Anpassungen am Rücken waren minimal: ich habe den oberen Punkt der rückwärtigen Mittelnaht (Reißverschluss) um 1 cm nach unten verschoben, also den Rücken um 1 cm in der Mitte gekürzt. Und auch etwas Breite in die Mittelnaht weggenommen, ca. 1 cm insgesamt. Ich habe zum ersten Mal die Rückenanpassungen an meiner individuellen Schneiderpuppe gemacht und es sehr genossen. Ein ganz neues Gefühl :) Eine Möglichkeit wie nie zuvor.

Auf dem Bild sieht man leichte Falten, weil ich leicht ungerade stehe. Auch nach der Autofahrt ist der Stoff hinten leicht zerknittert.

Die Anleitung zu dem Modell ist etwas verwirrend geschrieben. Ich habe nicht verstanden, warum man manche Teile an den Linien umschlagen und heften soll. Nach Rumprobieren habe ich sie einfach bündig aneinander gesteppt und Falten gelegt. Vielleicht ist meine Denkweise etwas anders, aber ich finde das Heften an dieser Stelle unnötig.

Das Kleid war nach ein paar Abenden fertig. Ich habe es am Sonntag zugeschnitten und danach kontinuierlich nach der Arbeit ein Bisschen genäht. Viel Zeit kann ich fürs Nähen nach der Arbeit nicht investieren. Ich bin froh, wenn ich mich eine Stunde lang pro Arbeitstag damit beschäftigen kann.

Ich muss sagen, ich habe dieses Modell für mich als sehr gelungen empfunden. Der Wollstoff ist schlicht, doch die glänzenden Streifen und die Drapierungen machen das Kleid etwas festlicher. Man kann ruhig etwas mehr essen, das Vorderteil des Kleides ist dafür günstig gerafft :)

Ich habe das Kleid an Weihnachten und auch an Silvester getragen und fand es ziemlich bequem. Und Komplimente haben das Kleid und natürlich auch ich bekommen :)

Ich wünsche euch allen einen guten Start ins neue Jahr und freue mich auf die neuen Herausforderungen, die unsere Nähzukunft bestimmt bringen wird!


Stoff: Wollgemisch vom Gigant Stoffe Pfungstadt
Fotos: meine

Mittwoch, 29. November 2017

Novemberblues und der neue Wintermantel


Wie wahrscheinlich für die meisten von euch, gehört November sicherlich nicht zu meinen Lieblingsmonaten. Die Sonne geht früh unter, und an manchen Tagen habe ich das Gefühl, dass sie erst gar nicht aufgeht. Es wird nicht so richtig hell. Gemütlich finde ich November auch nicht. Die Weihnachtsstimmung ist noch nicht da, obwohl Lebkuchen beim Discounter schon seit August zu haben ist. Ich tendiere auch zu spät zu meiner Winteroberbekleidung wechseln, was dazu führt, dass ich die ganze Zeit friere.

Nähbloggertreff in Köln


Mitte November dieses Jahr war ich auf einer tollen Veranstaltung in Köln - auf dem Kölner Nähbloggertreff. Das war die erste Veranstaltung dieser Art, die ich besucht habe, auch teilweise aus dem Grund, weil mein Blog noch relativ neu ist. Ich habe mich im August angemeldet und als die Zeit gekommen ist, wusste ich nicht so recht, ob ich wirklich hin will. Ich bin doch hingefahren und die Entscheidung überhaupt nicht bereut. Das Wochenende wurde von A bis Z top organisiert, und war für mich sehr erlebnisreich. Ich habe viele interessante Gespräche geführt und viele tolle Leute getroffen. Ich fühle mich jetzt richtig in der Nähbloggerwelt angekommen, was mich weiter motiviert, hier zu posten.

Ich habe tolle Ideen und Inspirationen bekommen. Es gab sogar zwei Workshops. Einen über Materialkunde, oder wie man erkennt, woraus der eine oder andere Stoff besteht. Den Workshop haben zwei Expertinnen in dem Gebiet gegeben, Elke und Constanze. Der andere Workshop handelte vom richtigen Maßnehmen mit dem Profischneider Sebastian Hoofs. Obwohl ich in beiden Themen schon etwas Vorwissen hatte, fand ich beide Workshops für mich äußerst interessant. Auf dem Tauschmarkt habe ich die mir fehlenden Ausgaben von Schnittmustermagazins absolut kostenlos ergattert. Auch ein zuckersüßes Stück Jersey mit Nähmotiven, den Constanze nicht verarbeiten wollte, ich aber gerne, ist bei mir eingezogen. Und natürlich nochmal zu betonen: unersetzbare Kontakte. Alles in einem: es war toll und ich komme gerne wieder :)

Alfatex in Weiterstadt


Gestern habe ich erfahren, dass einer meiner Lieblingsstoffläden vor Ort zugemacht hat: die Alfatex-Filiale in Weiterstadt. Anfang November kam ein Newsletter, den ich natürlich nicht aufgemacht habe, und somit über die Schließung viel zu spät erfuhr. Es hat mich schon etwas erschlagen, weil ich den Laden ziemlich oft besucht habe und mit der Auswahl der Stoffe und Beratung sehr zufrieden war. In meinem nicht all zu kleinem Stofflager zuhause gibt es noch einige Alfatex-Stoffe, die auf ihre Verarbeitung warten. Zu meinem anderen Lieblingsladen “Das Stofflager” in Griesheim war Alfatex eine tolle Ergänzung. Was kann ich sagen… Marktwirtschaft halt...

Der Mantel


Ich glaube, jetzt ist genug Herbstblues… Es gibt eine gute Nachricht: ich habe wieder etwas genäht :). Und schon sogar fleißig getragen. Meinen Übergangsmantel.

Seit Jahren wollte ich mir einen Trenchcoat nähen. Ich habe sogar schon alles da: das Schnittmuster, die Stoffe, das passende Garn, sogar die Knöpfe und Schnallen. Die Menge der Arbeit hat mich aber immer abgeschreckt, und, natürlich, der Mangel an Erfahrung im Oberbekleidungssegment :) Als eine Art Auftakt zu meinem längst ersehnten Trenchcoat entstand dieser Mantel. In vielen Aspekten ein Debut für mich: das erste mal einen Mantel genäht, das erste mal einen Boucléstoff verarbeitet und das erste mal mit einem großen teils asymmetrischem Karomuster gearbeitet. Weil es diesmal so viel Neuland für mich war, habe ich mir den einen oder anderen Fehler erlaubt. Erstaunlicherweise waren es nicht so viele, vielleicht sogar weniger, als bei einem meiner normalen Projekte.

Zuerst waren da das Schnittmuster und der Stoff, sie haben ziemlich schnell zueinander gefunden. Ich habe die Burdastyle-Ausgabe von Dezember 2016 rausgeholt, um mir die Capes anzuschauen, die ich vorher im Internet gefunden habe. Und da war er, der Mantelschnitt, den ich unbedingt haben wollte. Unter der Rubrik “Brit Chic” in einem tollen Karostoff verarbeitet. Die Capes habe ich sofort vergessen und fing an, im Internet nach einem passenden Stoff zu suchen.

Normalerweise kaufe ich die Stoffe vor Ort. In meiner Nähe gibt es mehrere Geschäfte, die sehr viele Stoffe für jeden Geschmack anbieten. So eine Stoffgeschäftrunde tut mir sowieso immer gut. Wie wahrscheinlich viele von euch, kaufe ich sehr gerne Stoffe ein oder verbringe einfach ein bisschen Zeit in einem Stoffladen. Das ist ein guter Ausgleich für den Alltag. Es war Anfang September und es wurde schon ziemlich kühl draußen, trotzdem waren die Geschäfte immer noch im Sommermodus, voll mit Sommerbatist und Viskosejerseys. Kein Zeichen von Wolle.

Meinen Traumstoff habe ich bei stoffe.de gefunden. Ich arbeite mit solcher Farbe nicht oft, bin eher ein Rottonmensch. Dieser Stoff hat es mir aber sofort angetan. Ein Bouclé, der als Mantelstoff bezeichnet wurde, in schwarz mit strahlendem Türkiskaromuster. An dieser Stelle muss ich erwähnen, dass die Empfehlung von Burda für dieses Modell exakt nach diesem Stoff klang. Auf jedem Schnittteil ist die Position des Karos markiert, was die Musteranpassung erleichtert hat. Das Futter wurde auch direkt auf der Seite als farblich passend empfohlen und landete auch im Warenkorb. Von Neva Viscon Futter habe ich sowieso viel Gutes gehört: reine Viskose, lädt nicht statisch auf und ist vom Griff her etwas hochwertiger. Der Meterpreis des Futters lag auch höher als beim Oberstoff, was mein Vertrauen in dieses Futter weckte.

Es war mir ein Rätsel, wie ich den Oberstoff vor dem Zuschnitt vorbereiten soll. Nämlich, waschen oder nicht waschen? Wenn nicht waschen, dann was? Nach der Internetrecherche wurde ich etwas schlauer, aber auch nicht ganz. Die Empfehlungen den Stoff nicht zu waschen haben darauf basiert, dass der fertige Mantel auch nicht gewaschen werden soll. Also nur chemisch reinigen. Damit war ich nicht ganz einverstanden. Ich weiß nicht, ob ich irgendwann doch den Mantel selber waschen will. Ich habe alle offenen Kanten des Stoffes mit der Overlock versäubert und ihn in die Maschine in der Stufe “Seide/Wolle” 30% geschmissen. Es hat dem Stoff nicht geschadet. Zusätzlich habe ich das ganze Stück durch ein nasses Tuch von links gebügelt. Falls er irgendwann einläuft, werde ich sauer. Ich habe alles Mögliche getan. Bei so einem Mantelvelours hätte ich vielleicht auf das Waschen verzichtet, und nur mit Dampf gebügelt. So einen Mantel würde ich auch nicht in der Maschine waschen wollen. Aber ein Wollbouclé kann viel ab.

Der Zuschnitt hat zweieinhalb Tage gedauert. Bei der Musteranpassung habe ich einige Fehler gemacht, und, obwohl ich reichlich Stoff hatte, hat er mir für ein kleines Stück am Kragen nicht gereicht. Ich habe noch 50 cm nachbestellen müssen. Der Stoff war nicht teuer, und es war sogar eine versandkostenfreie Aktion von stoffe.de, deswegen ging das problemlos. Wenn man so große Karos anpassen muss, arbeitet man lieber einlagig. Es sind insgesamt 28 Teile, die nur aus dem Oberstoff ausgeschnitten werden mussten. Das ist aber nicht alles, was den Zuschnitt so unglaublich lange und konzentrationsbedürftig gemacht hat. Weil der Stoff aus sehr losen dicken Faden besteht, franst er enorm aus. Ich habe vor dem Zuschnitt alle Nahtzugaben mit Schrägstreifen dünner Vlieseline beklebt. Die ganze vordere Seite wurde komplett mit H 410 beklebt, so ist es auch von Burda empfohlen. Das heißt, ich habe die Vlieseline an den Stoff gesteckt, grob mit Rand ausgeschnitten, aufs Bügelbrett gelegt, gebügelt, dann noch mal am Rand ausgeschnitten, und das 28 mal :) Das war das Schwerste. Gefranst, gefusselt und gestaubt hat der Stoff trotzdem, aber ich denke, weniger, als wenn er unbearbeitet geblieben wäre.

Ich habe im Endeffekt beim fertigen Mantel jede Naht innen auch noch mal mit der Overlock versäubert. Sicher ist sicher. Das Futter ist auch innen versäubert. Die Entscheidung habe ich getroffen, nachdem ich zwei von meinen gekauften Mäntel abgetastet habe und entdeckte, dass bei einem die Futternahtzugaben auch versäubert sind.

Am Schnittmuster habe ich nichts geändert. Mir war von Anfang an klar, dass ich ein Probestück nähen müsste, wenn ich bei dem Modell und Stoff irgendwelche Änderungen hätte machen wollen. Weder Bouclé noch Karo erlauben solche Freiheiten. Ich habe entschieden, dass ein Mantel sowieso nicht so körpernah sein muss, deswegen braucht er auch nicht so viel Anpassung wie z.B. ein Etuikleid oder eine Hose.

Die Schwierigkeit von so einem Mantel ist, dass der Stoff ordentlich dicker ist als gewohnt. Aus unzähligen Nähkursen, die ich online erworben habe, Büchern, Blogs und frei verfügbaren Videos wusste ich schon seit langem, was man mit dicken Stoffen so macht. Mit Nahtzugaben, Ecken, Abnähern usw. geht man etwas anders um: man schneidet alles weg, was zusätzliche Dicke bringen kann. Ich kann nur sagen, dass 4-5 Lagen von so einem Stoff nicht mehr unter den Nähfuss meiner Nähmaschine passen. Erfahrungswert :) Die Nähte an dem Oberstoff sind alle auseinandergebügelt. Bouclé ist ein sehr plastischer Stoff, deswegen mussten die NZ nicht so eng an den Rundungen abgeschnitten werden. Ich hatte sowieso Angst, zu dicht an die Naht zu schneiden, weil der Stoff so sehr franst. An der einen oder anderen Stelle habe ich mich für die Dicke und gegen das Risiko entschieden. Eine professionelle Schneiderin hätte da bestimmt mehr abgeschnitten. Aber was soll ich dann mit einer auseinander gefallenen Ecke? Lieber mit dem Bügeleisen plattbügeln.

Das Bügeln ist natürlich ein Thema für sich. Der Stoff hat sich ziemlich gut bügeln und formen lassen. Ich habe die kniffligen Stellen mit einem Holzbrettchen plattgedrückt, so wie ich es in Couturevideos gesehen und in Foren gelesen habe. Ich habe auch durch ein nasses Mulltuch von links gebügelt, um die Struktur des Stoffes von rechts nicht plattzudrücken. Auch hier habe ich hier und da etwas mehr plattgedrückt als es nötig war, mangels Erfahrung.

Die Säume sind komplett von Hand angenäht. Ich habe eine Diskussion auf Facebook angeleitet, in der sich zahlreiche Leute mit Vorschlägen meldeten, wie man es mit der Maschine macht. Ich denke, Burda empfiehlt nicht umsonst, es von Hand zu machen. Ich kann mir auch kaum vorstellen, diesen schweren Stoff durch die Öffnung in dem dünnen Futter durchzuziehen. Sicher ist sicher. Ich nähe sowieso viel zu wenig von Hand :)

Die Knopflöcher, die meine Maschine auf diesem Stoff gemacht hat, sahen furchtbar aus. Sie wollte ihn von rechts gar nicht transportieren, und nachdem ich oben und unten mit dem Stickvlies unterlegt habe, ging das halbwegs, sah aber ziemlich schlecht aus. Auch von diesem Problem habe ich schon gehört, und es empfiehlt sich, an so einem Stoff die Knopflöcher von Hand zu bearbeiten. Sie sehen besser aus und halten besser.

Da ich noch nie die Knopflöcher von Hand bearbeitet habe, musste ich erstmal üben. Der 50-ger Knopflochgarn hat sich als zu dünn erwiesen, ich habe den Zierstichgarn von Güttermann verwendet. Zum Glück ist die schwarze Farbe nicht schwer zu bekommen. Auch hier habe ich die richtige Technik im Internet und in den Videos zum Buch “Couture Cardigan Jacket” von Claire Schaeffer abgeschaut. Die ersten Knopflöcher sahen schlecht aus, sie wurden aber immer besser. Ich habe insgesamt ca. 10 Probeknopflöcher genäht.

Den Knopflochbereich habe ich mit einer wasserlöslichen aber nicht selbstklebenden Stickvlieseline belegt und mit Handstichen fixiert. Danach habe ich das Knopfloch mit einem Stift markiert und den Bereich mit einem mit der Maschine genähtem Rechteck fixiert. Dieses Rechteck ist auch eine gute Markierung für die Handstiche. Ohne Vlieseline ist schwarz auf schwarz kaum sichtbar, außerdem franst der Stoff sehr stark aus, so dass ein perfektes Nahtbild kaum möglich ist. Ich habe das Knopfloch an der Markierung ausgeschnitten und die Schnittkante sofort mit einem Bastelleim bearbeitet, den ich mit einem Zahnstocher aufgetragen und verteilt habe. Das Garn habe ich mit einem Bienenwachs gewachst. Diese beiden Tricks habe ich aus dem Buch “Couture Cardigan Jacket” gelernt. Das Nähen habe ich aber anders gemacht: ich habe die Nadel nicht von hinten, sondern von vorne reingestochen. Aus den Probeversuchen hat sich diese Vorgehensweise als akkurateste erwiesen. Nach dem ich mit dem Handnähen fertig war, habe ich die Vlieseline rausgerissen und die Reste mit einem nassen Tuch abgetupft. Ich bin mit dem äußeren Erscheinen der Knopflöcher sehr zufrieden. Der Wachs macht sie etwas steif, aber wahrscheinlich auch robust.

Ich bin sehr froh, dass ich mit diesem Projekt nun endlich fertig bin. Es hat für viel Unordnung in meinem Schlafzimmer gesorgt, abgesehen von der Staubsaugaktion, die ich mehrmals am Tag durchführen musste. Der Staub lag überall rum und manchmal hatte ich den Eindruck, dass ich nur diesen Staub einatme.

Die Farbe kam in meiner Bekanntschaft sehr gut an. Etwas frisches, winterliches… Bouclé ist momentan total angesagt, und ich träume schon seit einiger Zeit, oder seit dem Kauf des Buchs von Claire Schaeffer von einem Chanel-couture-Jacket. Aber vielleicht erstmal ein kleines Projekt zur Entspannung…

Schnitt: Burda Style 12/2016, mod. 102, genäht in Größe 40
Stoff: Mantelstoff Boucle in schwarz-türkis und Futterstoff Neva Viscon in türkis, beide von stoffe.de
Fotos: meine

Ich glaube, dass ich mit meinem Mantel bei heutigem MMM etwas aus der Reihe tanze. Alle nähen schon ihre Weihnachtsoutfits und Geschenke. Ich würde auch gerne bei so einem Sew Along teilnehmen, nur, so wie ich mich kenne, werde ich am Ende immer noch viertel vor fertig...

Samstag, 28. Oktober 2017

Meine DIY-Schneiderpuppe: Versuch Nr. 2

DIY Schneiderpuppe

In dem letzten Post habe ich das Thema Maßschneiderpuppe schon etwas motiviert. In diesem Post möchte ich mit euch meine Erfahrung mit der anderen Herstellungsmethode teilen: eine Negativform aus Gips anfertigen und sie mit einem PU-Schaum ausgießen. Diese Methode ist sehr aufwändig und erfordert viel Kraft und Geduld. Das Ergebnis ist aber sehr zufriedenstellend. Endlich habe ich ein Oberkörperduplikat von mir und kann mir schon viele Anwendungen dafür vorstellen.

Als ich den Leuten über dieses Projekt erzählte, kam sofort die berechtigte Frage “Warum?”. Ich möchte mich aber in diesem Post mit der Frage nicht zu beschäftigen, sondern ganz detailliert den Entstehungsprozess beschreiben. Jeder kann für sich entscheiden, ob sich so etwas lohnt. Die entstandene Schneiderpuppe wird in meinen zukünftigen Posts definitiv eine wichtige Rolle spielen. Ich plane, mich demnächst mit Draping etwas näher auseinanderzusetzen.

Recherche


Jedes große Projekt, und dieses war auf jeden Fall groß genug, muss mit einer Recherche beginnen. Ich liebe das Internet: von der Geschwindigkeit, mit der man an Information rankommt, konnten unsere Vorgänger nur träumen. Ich habe auf drei Sprachen nach allen möglichen DIY-Schneiderpuppen gesucht. Wie erwartet, konnte ich die nützlichen Quellen an einer Hand abzählen. Hier sind sie:

Diese Posts haben mir sehr geholfen, Fehler zu vermeiden und Lösungen zu finden. Sie haben mich auch inspiriert, dass das, was ich vorhabe, möglich ist.

Material


Für meine Maßschneiderpuppe habe ich gebraucht:
  1. Gipsbinden: 30 Rollen à 8 cm breit und 3 Meter lang. Ich habe diese verwendet.
  2. 4 Stöcke zum Stützen der Formhälften beim Aushärten.
  3. Alte Unterwäsche und Vaseline zum Einschmieren des Körpers vor dem Vergipsen, ich habe sie bei DM gekauft.
  4. Gipspulver zum Ausbessern der Form. Aus dem lokalen Bastelladen.
  5. Schleifpapier, Spachtel.
  6. Acryllack zum Versiegeln der Gipsform. Aus dem Baumarkt.
  7. Trennmittel, damit der PU-Schaum sich leichter von der Form ablöst. Ich habe diesen verwendet, passend zu dem Schaum.
  8. PU-Schaum zum Ausfüllen der Form. Ich habe Smooth-On FlexFoam-iT V verwendet.
  9. Klebeband, Frischhaltefolie
  10. Standfuß. Ich habe diesen gekauft.
  11. Lycra zum Beziehen der Schneiderpuppe, ca. 1 Meter. Ich habe ihn in meinen unendlichen Stoffvorräten gefunden.
Ganz wichtig: ihr braucht einen geduldigen und treuen Helfer, der euch nicht auf der Hälfte der Strecke alleine lässt. Hier habe ich Glück gehabt, weil mein Helfer im Endeffekt mehr Arbeit investiert hat als ich. Um seine Identität zu schützen, werde ich ihn in diesem Text einfach Schatz nennen :) Also, ohne Schatz kann man dieses Projekt nicht durchziehen.

Negativform aus Gips


Zuerst mussten wir einen Gipsabdruck meines Körpers anfertigen. Das war für mich das Schwierigste, weil ich mehrere Stunden still stehen musste, während Schatz mich von allen Seiten mit Gipsbinden beklebte. Der erster Versuch ist gescheitert. Entweder waren die Gipsbinden von zu schlechter Qualität oder einfach zu alt, oder wir zu unerfahren. Die erste Form war dünn, wollte stundenlang an mir nicht trocknen und hat sich am Ende so stark verzogen, dass wir entschieden haben, sie nicht weiter zu verwenden und eine neue zu machen. Die Hälften der Form lagen zum Trocknen auf dem Boden und der Halsbereich hat sich unter Schwerkraft nach unten bewegt. Um das zu verhindern, haben wir beim 2. Versuch eine Brücke aus Gipsbinden um diesen Bereich herum gebaut. Beim 2. Versuch haben wir andere Gipsbinden verwendet und die Form dicker gemacht: ca. 4-5 Lagen. Obwohl die Form beim 2. Mal schneller trocknete (bessere Gipsbinden?), habe ich die Zeit gestoppt und beobachtet, dass ich insgesamt 4 Stunden lang dafür in meiner natürlichen Körperhaltung stehen musste. Das war eine Herausforderung. Ich stand da an einem sonnigen Samstag und habe daran gedacht, dass die meisten Leute in diesem Moment höchstwahrscheinlich was angenehmeres machen. Ich habe auch gedacht, dass man schon ziemlich verrückt nach dem eigenem Hobby sein muss, um auf so eine Idee zu kommen. Schatz war optimistisch und hat mir seine Zeit und gute Laune einfach geschenkt.

Beim ersten Versuch haben wir den kompletten Oberkörper einfach eingegipst. Danach haben wir versucht, die schon getrocknete Form am Körper in zwei Hälften zu schneiden, um sie abzunehmen. Das war sehr erschreckend, insbesondere im Halsbereich. Ich glaube auch, dass sich die Form beim Schneiden mit einer Verbandsschere etwas verzogen hat. 
DIY Schneiderpuppe
Deswegen haben wir uns entschieden, beim 2. Mal sofort die 2 Hälften getrennt auszuformen. Diese Idee haben wir einem der Blogs (links oben) entnommen. Wir haben aus einem Gewebeband eine “Barriere” angefertigt, die wir an die seitlichen Trennlinien auf meinem Körper geklebt haben. Die Binden hat Schatz von vorne und von hinten bündig an die Barriere geklebt. Das hat relativ gut funktioniert und es war viel leichter, die Form von Körper abzunehmen.

Es ist ein bekannter Fakt, dass man fürs Schneidern alle Maße in der Unterwäsche nimmt, die man auch danach unter der Kleidung tragen will. So ist es auch hier: die Form muss nicht auf vom komplett nackten Körper erstellt werden. Die Unterwäsche wird aber auf jeden Fall durch Gips und Schneiden ruiniert. Ich habe dafür einen ganz alten BH, der aber trotzdem gut saß, geopfert.

Beim zweiten Versuch haben wir den unteren Hüftbereich mit einer Frischhaltefolie umwickelt. Meine Vermutung war, dass es uns hilft, den Bereich besser wie einen geraden Rock auszuformen. Im Nachhinein würde ich davon abraten. Durch die Folie kamen viele Rillen und Kerben in der Form, die wir danach aufwändig abschleifen und zuspachteln mussten. Auch kann es sein, dass die Folie meine Hüftform leicht verändert hat.
DIY Schneiderpuppe

Zum Verstützen der Gipsform beim Trocknen und zum besserem Greifen haben wir je 2 Holzgriffe vorne und hinten mit Gipsbinden befestigt. Wie ich schon erwähnte, haben wir auch die Binden benutzt, um eine Stütze für den Halsbereich gebaut, damit die Form sich beim Trocknen nicht verzieht.
DIY Schneiderpuppe
Ganz wichtig ist es, vor dem Abnehmen der Form, unten rundherum Markierungen in gleichem Abstand zum Boden zu machen. Dafür kann man ein langes Lineal oder einfach einen Stab verwenden. Das hilft später die Schneiderpuppe in eine natürliche Haltung zu bringen. Die Markierungen haben wir mit Acrylfarbe gemacht, die im Gegensatz zu den Filzstiften auf dem halbnassen Gips sichtbar wurde. 

Gipsform nachbearbeiten


Zum Trocknen braucht Gips ein paar Tage. Ich war ganz gespannt, ob die Gipshälften noch in Form geblieben sind, und habe sie grob mit einem Maßband nachgemessen. Wir haben die zwei Hälften aufeinander gelegt, um zu schauen, ob die Ränder bündig sind. Die Hälften haben gut zusammen gepasst, nur an einer Stelle, an der rechten Hüfte, trafen sie nicht aufeinander, sondern es blieb 1-2 cm breiter Spalt. So wie ich es in Erinnerung habe, war das die Stelle, an der wir beim Formabnehmen etwas gezogen haben. Diesen “Defekt” haben wir später korrigiert, indem wir die Form an dieser Stelle etwas nass gemacht haben und in die entsprechende Richtung gezogen haben.

Es blieben viele Unreinheiten von der Unterwäsche und der Folie. Wir haben sie mit Schleifpapier geschliffen und mit der Gipsmasse zugespachtelt. Danach hat Schatz die zwei Hälften mit Gipsbinden aneinander geklebt und den Spalt zugespachtelt. 
DIY Schneiderpuppe
Die Löcher für Hals und Arme haben wir nach der Begradigung der Ränder mit Gipsbinden zugezogen.
DIY Schneiderpuppe

DIY Schneiderpuppe

Es ist ganz wichtig, dass die Form vor dem Ausfüllen mit einer ausreichenden Menge Acryllack versiegelt wird. Das schließt die kleinen Poren im Gips und sorgt dafür, dass das danach verwendete Trennmittel nicht vom Gips aufgesaugt wird. Das Trennmittel kam bei uns direkt vor dem Ausfüllen auf die Form.

Schatz hat irgendwo gelesen, dass man die Gipsform mit einem Trennschleifer wieder auf zwei Hälften schneiden kann, damit man die ausgefüllte Form besser abnehmen kann. Die Idee war, die Gipsform, die so aufwendig angefertigt wurde, beim Abnehmen nicht kaputt zu machen. Schatz hat mit einem Trennschleifer einen sauberen Schnitt gemacht, und vor dem Ausfüllen haben wir die zwei Hälften einfach mit einem Gewebeband und etwas Frischhaltefolie aneinander fixiert.
DIY Schneiderpuppe
Schatz hat die Form auch unten an unseren Farbmarkierungen abgesägt, so, dass wir einen perfekten Boden hatten.
DIY Schneiderpuppe

Ausfüllen der Gipsform


Zum Ausfüllen kann man verschiedene Materialien verwenden. Viele verwenden Bauschaum, was eine bezahlbare und praktische Lösung ist. Ich habe mich im Baumarkt beraten lassen und bin zum Schluss gekommen, dass von all den PU-Schäumen ein 2-Komponenten-PU-Schaum das beste ist.

In einem russischen Forum habe ich erfahren, dass es einen 2-Komponenten-Weichschaum gibt, der sich nicht reinsprühen, sondern reingießen lässt. Der Schaum wird von einer amerikanischen Firma produziert und wird in verschiedenen Bereichen der Kunstgestaltung und der Herstellung von Filmrequisiten angewandt. Nach dem Austrocknen kommt ein etwas weicher gummiartiger Schaumkörper raus, der vom Griff her an ein Antistressball erinnert. Der Schaum ist nicht toxisch und soll sogar für Spielzeuge geeignet sein. Das ist mir auch sehr wichtig, weil die Schneiderpuppe in meinem Schlafzimmer stehen wird.

Die Kosten dieses Schaums haben mich zum Verzweifeln gebracht. Der Bauschaum hätte die Hälfte gekostet. Am Ende war ich aber froh, dass ich mich, nachdem wir so viel Zeit und Mühe in die Gipsform investierten, für das teurere Material entschieden habe. Das Aussehen und die Haptik des amerikanischen Schaums sind ganz anders als bei Bauschaum, was ihn für unsere Zwecke definitiv besser eignet.

In der Spezifikation der Produktreihe Smooth-On FormX Flex habe ich gelesen, dass die Schaumkörper am Ende verschiedene Dichten haben. Nach einem Telefonat mit einer freundlichen Frau aus dem Kundenservice von Kaupo (einem der Vertriebler von FormX in Deutschland) habe ich mich für den zweitvoluminösesten Schaum in der Reihe entschieden: FormX Flex V. Die Frau hat gesagt, dass ich bei diesem Produkt mehr Zeit fürs Mischen und Einfüllen habe, also mehr Kontrolle. Außerdem ist der Schaumkörper am Ende nicht so weich, wie es beim leichteren FormX Flex III der Fall ist.

Es stand nun die Frage im Raum: wieviel Schaum brauche ich? Ich musste die notwendige Menge relativ genau berechnen, weil der Schaum nicht günstig ist und auch nicht einfach so nachzukaufen ist. Er muss bestellt und geliefert werden, die Lieferung hat fast eine Woche gedauert. 

Eine Packung dieses 2-Komponentenschaumes hat ca. 1 Liter Flüssigkeit. In der Beschreibung stand, dass sich der Schaum sich max. um Faktor 11 vergrößert. Man erhält also ca. 11 Liter Schaum aus einer Packung. Wie viel Volumen mein Torso hat, wusste ich nicht. Zuerst habe ich versucht, das Volumen mathematisch aus meinen Umfängen zu berechnen. Es kamen ca. 40 Liter raus. Nach der Recherche im Internet habe ich verstanden, dass die Dichte des menschlichen Körpers der Dichte von Wasser ähnelt. Das Volumen des Körpers kann man also durch das Körpergewicht abschätzen. Wenn ich 63 Kilo schwer bin, dann hat mein Körper ca. 63 Liter Volumen. Und wie viel Anteil hat nun der Torso?

Ein paar Tage später beim Baden kam ich auf eine brillante Idee, die auch Archimedes lange vor mir hatte: das benötigte Volumen kann man durch ein Bad messen. Ich habe die Badewanne gefüllt, mich reingelegt und versucht, nur mein Torso im Wasser zu halten. Schatz hat auf Höhe des Wasserpegels am Rand der Badewanne eine Markierung mit einem Stück Klebeband gesetzt. Danach bin ich ausgestiegen und wir haben mit einem 5 Liter Topf das Wasser bis zur Markierung nachgefüllt und mitgezählt. Es kamen ca. 45 Liter raus :) Also wusste ich, dass ich mindestens 4 Packungen Schaum bestellen musste.

Als endlich alles für das Ausfüllen vorbereitet war, und der Schaum geliefert wurde, haben wir uns ein Samstagnachmittag dafür genommen, um das Projekt zum Ende zu bringen. Auf diesen Moment wartete ich sehnsüchtig.

Ein paar Wochen vorher habe ich zufällig von einer Bekannten, die die Stadt verlassen hat, eine Styroporschneiderpuppe bekommen, die bei ihr im Keller stand. Diese Puppe konnte ich gar nicht verwenden, weil sie mindestens 4 Größen kleiner als ich war. Und den Standfuß für meine neue Maßschneiderbüste habe ich schon separat hier gekauft. Der Standfuß war aber so gebaut, dass ein Metallrohr mit einem kleineren Durchmesser aus der Büste rausguckte, damit man sie an den Fuss montieren konnte. Diesen Rohr wollte ich ursprünglich im Baumarkt kaufen und einfach beim Reingießen in meine Form reinstecken. Da ich aber diese Styroporbüste hatte, haben wir entschieden, ihr Rohr zu verwenden. Es kam uns sehr gelegen, dass das Rohr schon von Styropor ummantelt war. Schatz hat die Puppe mit einem Messer wie einen Döner abgespeckt und nur einen kleinen 3-4 Liter großen Kern rund ums Rohr da gelassen. Immerhin haben wir dadurch auch etwas Volumen gespart, das wir nicht mit dem teureren Schaum ausfüllen mussten. 
DIY Schneiderpuppe
Wir haben einen “Boden” aus Pappe ausgeschnitten und wie einen Deckel auf die Form gelegt. An diesem Boden haben wir auch unsere Styroporkonstruktion befestigt. Danach haben wir die Form mit Klebeband und Frischhaltefolie zusammengebunden und kopfüber an einem Stuhl befestigt.
DIY Schneiderpuppe
Das Ausfüllen mit dem Schaum ging schnell gemäß der Gebrauchsanweisung. Gemischt, gegossen, gewartet bis er fest wurde, neue Portion angemischt, und so weiter. Nach der vierten und letzten Portion blieben noch ca. 7 cm bis zum Rand leer. Ich muss sagen, dass meine Schneiderpuppe sehr lang ist. Ich habe sie nach dem Prinzip “lieber länger als kürzer” gemacht. Wegen des Styroporkerns wollten wir den Rand aber nicht abschneiden und haben ihn mit einem einfachen 1K-Bauschaum ausgefüllt. So konnten wir auch die Qualität der Schäume vergleichen, und ich muss noch mal betonen, dass ich froh war, mich für den amerikanischen Schaum entschieden zu haben. Der Bauschaum hat sich anders benommen. Er hat viel länger gebraucht, um zu trocknen und hat eine sehr poröse löchrige Oberfläche geliefert. Im Prinzip, kann man den Schaum für die ganze Büste verwenden, es gibt genug Leute, die das gemacht haben. Man kann danach die Oberfläche durch Spachteln, Schleifen, und Versiegeln aufwerten. Das alles habe ich beim teureren Schaum nicht machen müssen.
DIY Schneiderpuppe



Letzter Schliff


Wir haben den Schaum ca. 10-15 Stunden über Nacht trocknen lassen und waren ganz aufgeregt zu sehen, wie unsere Schneiderpuppe geworden ist. Zu unserer Enttäuschung, ist der Plan, die Gipsform zu erhalten, in die Hose gegangen. Der Gips hat sich nur schwer gelöst und wir mussten ihn in Streifen abreißen. Den Schaumkörper hat das aber dank des großzügigen Einsatzes des Trennmittels nicht beschädigt. Er sah gut aus, roch fast gar nicht und hatte eine angenehme Haptik.
DIY Schneiderpuppe
Ein Paar sehr kleine Löcher oben und große Löcher in unteren Bereich aus dem einfachen Bauschaum, habe ich mit transparentem Silikon zugeschmiert. Die überstehenden Ränder habe ich mit einem scharfen Teppichmesser abgeschnitten. Es blieb nur der letzte Schliff. Hier war er: mein Körperzwilling.
DIY Schneiderpuppe
Es ist sehr interessant, die eigene Körperform so genau betrachten zu können, insbesondere im Bereich des Rückens. Der Schaumkörper ist schon sehr getreu, ich kann sehr gut meine Schulterblätter und das Schlüsselbein wiedererkennen. Ich habe meine gekaufte verstellbare Schneiderpuppe und die selbstgemachte nebeneinander gestellt und sehr viele kleine und große Unterschiede beobachtet. Ich verstehe nun, warum die Kleider nach fertigen Schnittmustern so schlecht an mir im Hals- und Schulterbereich passen.
DIY Schneiderpuppe

Ich konnte auch ziemlich viele Asymmetrien beobachten, die leider durch meinen Körper und nicht durch irgendeinen Herstellungsfehler der Puppe kommen. Als ich neben der Puppe stand, habe ich mir sagen lassen, dass meine linke Schulter wirklich höher als die rechte ist. Die Asymmetrie im Hüftbereich kam aber teilweise durch die Ungenauigkeit beim Arbeiten. Ich habe oben geschrieben, dass die Formen an einer Stelle nicht aufeinander passten. Das ist genau die rechte Hüfte gewesen. Solche Sachen kann man nachträglich korrigieren, indem man z.B. eine Schicht Pappmaché auf die problematischen Stellen aufträgt. Mein Drapinglehrer hat mir aber empfohlen, zunächst so mit der Puppe zu arbeiten und an ihr ein Basicteil zu konstruieren.  Nach dem Anprobieren des Teils kann man  besser beurteilen, an welchen Stellen der Schaum ab- oder aufgetragen werden muss.

Die Befestigung des Standfußes verlief auch nicht problemlos. Die Stange, die wir in den Schaumkörper steckten, war etwas schief. Wir haben das anhand des Standfußes ausgeglichen, indem wir die innere Stange auch schief in den Fuß steckten. Jetzt steht die Puppe gerade :) Dieser Fehler war also nicht so schlimm, wie ich zunächst befürchtet habe.

Ich habe meiner Schneiderpuppe eine Verkleidung aus dünnem schwarzen Lycra genäht. Den habe ich ohne Schnittmuster einfach direkt an den Körper gesteckt und abgeschnitten. Das war ziemlich einfach und dauerte nicht lange.
DIY Schneiderpuppe

Die Markierungen sind optional und sind aus schmalem Ripsband angefertigt. Die helfen mir, das Draping zu erlernen. Wann ich dafür Zeit finde, weiß ich noch nicht :) Es gibt so viele spannende Themen.

Bewertung und Vergleich


DIY Schneiderpuppe
Zum Schluss möchte ich kurz meine selbstgemachte Schneiderpuppe mit der gekauften vergleichen. Die gekaufte hat ca. 120 Euro gekostet und ist ein ganz hochwertiges verstellbares Modell von Prym: Prymadonna Multi. Theoretisch kann man diesem Modell auch eine Hose anziehen, jedoch habe ich dieses Feature nie benutzt.
DIY Schneiderpuppe






Zum Vergleich habe ich mein Probekleid aus diesem Post, das ich aufwendig auf meine Figur angepasst habe, beiden Büsten angezogen. Der größte Unterschied ist, wie erwartet, im Hals-Schulter-Armbereich. Die Umfänge konnte ich einstellen, jedoch unterscheiden sich Rückenlänge, Brusttiefe, Bauch-, und Poform. Wenn man Kleidung aus Jersey macht, dann verzeiht das Material schon einiges. Ein Etuikleid wie in diesem Post würde ich an der gekauften Puppe nicht nur nicht erstellen können, sondern auch nicht präsentieren können, da es im Schulterbereich so schlecht sitzt.
DIY Schneiderpuppe

Dieses Projekt ist ein ganz besonderes gewesen. Ich habe das Gefühl, dass es mich in meinem Hobby auf ein anderes Level gebracht hat. Es ergibt sich eine ganz neue Palette an Möglichkeiten… Was ich damit tue, und wie sich die Schneiderpuppe im Nähalltag macht, werden wir sehen. Ich freue mich riesig, sie endlich zu haben, und verabschiede mich heute mit dem Versprechen, sie in den zukünftigen Beiträgen noch ein paar Mal zu zeigen :)
DIY Schneiderpuppe

Ich möchte mich bei allen, die bis hierhin gelesen haben, und auch bei den Mitgliedern der Facebook Nähcommunity für euer Interesse bedanken. Mit so viel Resonanz habe ich gar nicht gerechnet. Es freut mich, dass es Leute gibt, die so etwas lesen und mich nicht sofort in eine psychiatrische Klinik einweisen.
DIY Schneiderpuppe