Sonntag, 30. Dezember 2018

Weihnachtskleid Sew Along 2018 - Finale


Weihnachten mit der Familie war wieder schön und ich konnte zwei von mir genähte Kleider an verschiedenen Tagen tragen. Mein Hauptprojekt dieses Jahr was das Kleid Vita von Vikisews, das ich gleichzeitig mit Melanie von 500 days of sewing genäht habe. Melanie hat in ihrem Post schon ausführlich über die gemeinsame Näherfahrung berichtet. Bei meinem letzten Zwischenstand habe ich eigentlich fast alles zu dem Nähprozess gesagt. Kurz vor Weihnachten war ich sie besuchen, um ihr etwas mit dem Verstehen der russischen Anleitung zu helfen :) Das hat Spaß gemacht. Da ich mein Kleid schon fast fertig gemacht habe, habe ich ein paar Weihnachtsgeschenke genäht.

Die Wahl der schlichten schwarzen Knöpfe hat bei mir wieder drei Stunden gedauert :) Manche nähen in drei Stunden ein Kleid, und ich... wähle die Knöpfe aus. Ich finde Kontrastknöpfe für dieses Modell sehr passend, das hat Melanie am Ende auch gemacht. Ton in Ton würden sie einfach verschwinden...

Ich muss sagen, dass der Schnitt nicht ganz so meins ist. Trotz der Verlängerung um 6 cm finde ich das Kleid für mich einfach zu kurz. Damit wirkt es schulmädchenhaft. Ich habe so etwas vor ca. 20 Jahre gerne getragen. Mir gefällt die Farbe sehr und als Kombinationsteil habe ich mir ein Rollkragenpulli in weiß mit goldenen Punkten genäht. Die Punkte sieht man auf den Fotos nicht, und das Weiß gibt für den Alltag schon ziemlich viel Kontrast. Deswegen habe ich mir vorgenommen, noch ein paar andere Oberteile dazu nähen. Graumeliert kann ich mir gut vorstellen...

Der Schnitt ist eher alltagstauglich als festlich, was eigentlich eine schöne Sache ist, weil Weihnachten bekanntermaßen doch nicht so oft vorkommt :) Das andere Kleid, das lange als UFO bei mir lag, finde ich festlicher, und habe es somit zu dem festlichen Essen am ersten Weihnachtstag getragen. Die Fotos davon folgen auch bald....

Stoff: Wollgemisch als Oberstoff und Viskose als Futter, beide von Stoffe Berger (Berlin). Knöpfe von Stofflager Griesheim
Schnitt: Vikisews Vita in Gr. 40 162-168
Fotos: meine

Und jetzt ein Paar Bilder vom fertigen Kleid. Hier geht es zu den anderen tollen Ergebnissen des WKSA 2018. Ich wünsche euch allen noch entspannte Feiertage und einen guten Rutsch!









Dienstag, 18. Dezember 2018

Weihnachtskleid Sew Along Teil 3 - Zwischenstand

Die letzten Wochen waren bei mir mit Reisen und Feiern voll. Kaum konnte ich mich in meinem frisch aufgeräumten Nähreich bewegen. Erst in den letzten Tagen habe ich mich an die Arbeit an meinem Weihnachtskleid gemacht. Dank Zeitdruck durch WKSA und meinem Versprechen an Melanie habe ich das Probekleid schnell zugeschnitten und zusammen genäht. Noch mal zur Erinnerung: es handelt sich um Vita von VikiSews, das ich zusammen mit Melanie nächstes Wochenende fertig machen werde.
Der Schritt mit dem Probekleid hat sich bei mir als sehr nützlich erwiesen. Ich habe mich in der Größe total geirrt. Ich glaube, dass ich in der letzten Zeit ein paar Kilos zugelegt habe und die Schnitte immer noch nach den alten Maßen bestelle - natürlich in der Hoffnung, dass die Kilos schon wieder weg sind. Auf jeden Fall war mir das Kleid zu eng. Ich habe in der Brustweite an verschiedenen Stellen insgesamt 4 cm zugegeben. Auch in der Länge habe ich insgesamt 6 cm zugeben müssen. Bei VikiSews gibt es Schnitte in verschiedenen Körpergrößen. Ich bin 168 cm groß und bestelle immer die 162-168 Größe. Ich glaube, dass mir die 170-176 Größe in diesem Fall besser gepasst hätte. Dadurch dass das Kleid komplett gefüttert ist und die Schnittteile fürs Futter alle separat sind, mit entsprechenden Zugaben, musste ich insgesamt 10 Schnittteile anpassen. Was kann ich sagen, das hasse ich :) Ich habe mich aber gezwungen, weiter zu machen, da auch solch eine Arbeit ihr Ende hat. Ich habe erfolgreich Anpassungen gemacht und zugeschnitten.

An dieser Stelle möchte ich ein paar Worte zu dem von mir gewählten Stoff verlieren. Ich habe ursprünglich geplant, Stoff aus meinem Lager zu verarbeiten. Der schöne dunkelblaue Wollstoff mit passendem Futter lag bei mir schon 2-3 Jahre im Keller. Allerdings habe ich nur 1,6 Meter davon, und fürs Kleid ist die doppelte Länge notwendig. Letzte Woche war ich beruflich in Berlin und wenn manch andere Magneten als Souvenirs mitbringen, bringe ich Stoffe mit, wenn es die Zeit zulässt. Ich habe den wunderschönen Laden Stoffe Berger entdeckt und konnte ihn ohne einer Kleinigkeit nicht verlassen. Der halbwollige Stoff mit einer Weboptik in einem wunderschönen Petrolton hat mein Herz erobert. Es war ein Rest mit 2 Metern drin, perfekt für dieses Projekt. Ein passendes Viskosefutter habe ich dort auch direkt mitgenommen.

Nach dem Zuschnitt habe ich einfach der Anleitung nach durchgearbeitet. Obwohl die Anleitung sehr ausführlich ist und ich bekanntermaßen gut Russisch kann, finde ich das Modell nicht so einfach zu nähen. Der Fake-Knopfverschluss hat unten einen Schlitz, der gesondert im Futterteil mit Oberstoff verstützt wird. Auch oben ist der Verschluss offen und in der Mitte mit dem Kleid verbunden. Die Knopflöcher wollte meine Maschine beim ersten Mal nicht gut nähen, da es an dem Verschluss mit mehreren Stofflagen etwas kniffelig wird. Es macht aber Spaß, so ein Kleid mit Futter zu nähen, weil es schon etwas edleres ist. Ich habe es versucht, so sauber wie möglich zu arbeiten, und muss sagen, dass der Stoff es gut zulässt. Auch der Schnitt ist sehr gut vorbereitet: Nahtzugaben von 1cm sind drin und die Knipse passen alle sehr gut aufeinander. Obwohl das Kleid gefüttert ist, steht in der Anleitung, viele Nähte mit der Overlock zu versäubern, was ich auch gemacht habe.

Ich bin jetzt so weit, dass ich die Hals- und Armausschnitte fertig gemacht habe. Die Nähreihenfolge hier ist ein bisschen komisch: von unten nach oben. Umso wichtiger ist es, ein Probemodell zu nähen, weil ich die Schulternähte immer noch offen habe. Die vorgeschlagene Methode die Schulternähte zu schließen, gefällt mir optisch gar nicht. Das Vorderteil samt Futter wird zwischen Rückenteil und Rückenfutter gesteckt und so angenäht. Es entsteht dadurch eine kleine "Stufe". Ich habe mir überlegt, wie ich die Schulter konventionell schließen kann, aber durch den Überlapp beim Verschluss ist es nicht möglich. Ich werde sie so, wie es in der Anleitung vorgeschlagen wird, nähen müssen. Es gibt Schlimmeres :)




Nächstes Wochenende bin ich bei Melanie zu Gast. Ich bin froh, dass ich ein wenig vorgearbeitet habe. Jetzt weiß ich Bescheid, wie das Nähen dieses Kleides geht :) Während des Nähens habe ich für sie auch ein paar Videos mit dem Handy gedreht, damit sie auch schon ohne mich anfangen kann. Die zwei vollen Tage reichen für dieses Kleid meiner Meinung nach eigentlich. Aber es kommt ja immer was dazwischen :)
Und hier geht es zu den anderen Weihnachtsprojekten, die ich immer wieder sehenswert und inspirierend finde.

Samstag, 8. Dezember 2018

Weihnachtskleid Sew Along (WKSA) Teil 2 - die Entscheidung

Eigentlich hatte ich diese Woche fast gar keine Zeit zum Nähen oder um mir überhaupt Gedanken zu machen, wie es mit dem Weihnachtskleid weiter läuft. Zum Glück gibt es Antrieb von Außen. Die Regeln der WKSA erfordern, dass ich bis morgen meine Entscheidung veröffentlicht habe.
Vielen lieben Dank für eure Kommentare zu meinem letzten Post, die Meinung scheint einhellig zu sein - das Kleid von VikiSews, das ich mit Melanie zusammen nähen werde, wird es sein :)

Ein kleines Update zum UFO: ich habe letztes Wochenende daran gearbeitet und es zu einem fast fertigen Zustand gebracht. Uff, ich mag den Begriff "fast fertig" gar nicht, weil fertig ist es ja nicht :) Aber nicht umsonst heißt mein Blog so. Es war doch noch relativ viel Arbeit nötig: das ganze Futter musste noch genäht und das Kleid auf meine momentane Figur angepasst werden. Der Reißverschluss hinten hat auch noch Arbeit gebraucht. Natürlich habe ich den RV-Bereich hinten nicht verstärkt, weil ich es damals einfach nicht besser wusste :) Deswegen kräuselt der Stoff um den RV noch ein bisschen, was bei so einem Wollstoff durchs Bügeln regelbar ist. Die Ärmel musste ich mit Ärmelfischen verstützen, weil sie bei einem so weichen Material sonst einfach nicht standhalten wollten. "Was fehlt denn noch?" werdet ihr fragen. Es fehlen noch die Handsäume am Rock und an den Ärmeln. Und das schöne Schleifchen an dem Ripsbandgürtel fehlt noch. Nicht viel :)

Jetzt zurück zu dem Kleid von Vikisews: der Progress hält sich bis jetzt in Grenzen. Ich habe das Schnittmuster geplottet und ausgeschnitten. Nach dem ersten Blick habe ich verstanden, dass ich das Kleid etwas verlängern werde. Das ursprüngliche Modell hat eine für mich unangemessene Länge. Ich habe auch meine nicht zu kleinen Stoffbestände durchgesehen und ein paar Stoffstücke gefunden, die von der Farbe und Qualität her zu dem Modell passen. Jedoch sind sie nur ca. 160 cm lang und ich muss noch schauen, ob das für das Schnittmuster reicht.
Bildquelle: vikisews.com
Zunächst muss ein Probekleid genäht werden und ich habe dafür schon einen alten Bettbezug aussortiert. Ein Probekleid bei einem enganliegenden Modell ist für mich ein Muss. An dem werde ich auch beurteilen können, wieviel Länge ich noch dazugeben möchte.

Ein interessanter Fakt ist, dass es einem vom ersten Blick nicht auffällt, dass der seitliche Knopfverschluss bei dem Modell rein dekorativ ist. Das Kleid hat einen nahtverdeckten Reißverschluss hinten. Trotzdem sind die Knöpfe nicht einfach so angenäht, es hat einen halbfertigen Verschluss mit Besatz und Schlitz und hat sogar Knopflöcher. Klingt gar nicht so einfach. Ich bin mal gespannt, wie wir das meistern. Noch zu erwähnen ist, dass das Kleid komplett gefüttert ist - genauso, wie ich es im Winter mag. Insbesondere, wenn man ein Longsleeve drunter trägt, ist ein rutschiges Futter optimal. Das Futter habe ich sogar farblich passend da, die Frage ist wieder, ob es reicht.
Die Knöpfe habe ich noch nicht ausgesucht, aber daran wird es nicht scheitern, denke ich :) Wir sind hier in der Region sehr gut mit Stoffläden ausgestattet. Viel zu gut - das ist nicht gesund für mein Portemonnaie und den Platz in meinem privaten Stofflager.

Hier könnt ihr die anderen Entscheidungen sehen, die seit letztem Sonntag getroffen wurden. Ab morgen fängt die dritte Etappe bei den anderen an - erster Zwischenstand. Mein Bericht zu dem Thema wird wahrscheinlich erst Ende der Woche kommen.

Samstag, 1. Dezember 2018

Weihnachtskleid Sew Along 2018

Die Tradition des WKSA (Weihnachtskleid Sew Along) ist schon ein paar Jahre alt, jedoch habe ich nie teilgenommen. Meine Planungseigenschaften, was das Nähen angeht, halten sich ziemlich in Grenzen. Meist bin ich mit allem einfach zu spät. Unter anderem fällt es mir schwer die Entscheidung zu treffen, was ich eigentlich machen will.

Der diesjährige Bloggertreff hat mich jedoch dazu inspiriert, ein Teil der Community zu sein. Ich probiere es mal aus :) Vielleicht wird am Ende doch was daraus. Letztes Jahr war es so, dass mein eigener WKSA samt Planung 2 Tage gedauert hat. Ich habe entschieden, dieses Kleid zu nähen und habe es dann einfach getan, ohne groß nachzudenken. Diesmal wird es definitiv komplizierter.

Zuerst möchte ich sagen, dass sich Kleider ohne Ärmel oder mit Ärmel aus Spitze bei mir als Weihnachtskleider als unpraktisch erwiesen haben. Es ist doch etwas kühl, und ich trage dann meist einen Poncho oder Cardigan drüber. Damit ist die Schönheit des Kleides schon kaschiert, was ich schade finde. Letztes Jahr hatte ich ein Longsleeve in schwarz unter dem Kleid getragen. Naja... eine Lösung, aber nicht die schönste. Deswegen habe ich entschieden: was auch immer dieses Jahr entsteht, es wird mit Ärmeln geplant.

Idee Nr. 1 ist das Kleid aus Dezember Burda Style des letzten Jahres. Wenn ich mich nicht täusche, hat Sandra von Zufall, wenn's klappt das Kleid letztes Jahr schon genäht. Blöderweise hat Sandra entschieden, dieses Jahr ihren Blog zu schließen. Ich kann gar nicht nachschauen, was ihre Erfahrung war :( Trotzdem mag ich irgendwie die Form des Kleides jetzt sehr und sehe es in schwarzem oder dunkelrotem Samt... Nach dem Stoff habe ich allerdings noch nicht geschaut, und in meinem Stoffvorrat, der mittlerweile extreme Ausmaße angenommen hat, gibt es so etwas nicht.
Bildquelle: burdastyle.ru
Idee Nr. 2 lebt in meinem Kopf schon länger. Allerdings nicht als Weihnachtskleid, sondern als alltagstaugliches Winterkleid. Ich muss sagen, dass unsere Weihnachten nicht so festlich sind und dass ich mich eigentlich in jedem Kleid gut angezogen fühle. Ich möchte ein Kleid aus einem Wollanzugstoff mit einer Knopfleiste vorne und einem Kragen. Als Basis sehe ich dieses SM von Grasser. Die Ärmel müssen auf ganz lang angepasst und mit Manschetten verziert werden. Das Modell erfordert ziemlich viel Stoff, weil der Rock so ausgestellt ist. In meinen Vorräten befinden sich ein paar Stoffstücke, die ich gerne dafür nehmen werde, allerdings bin ich mir nicht sicher, ob die Länge reicht. Auf jeden Fall muss ich zuerst das Probekleid dafür nähen, um die Passform zu prüfen. Das mache ich in der letzter Zeit sehr oft.
Bildquelle: www.grasser.ru
Idee Nr. 3 ist daraus entstanden, dass Melanie von 500 days of sewing russische Schnittmuster einkaufen war :) Ich muss sagen, dass meine Empfehlung vielleicht nicht die kleinste Rolle in dieser Aktion gespielt hat. Ich habe Mel angeboten, dass wir ein Modell zusammen nähen, weil ich es sowieso vorhatte und das Schnittmuster auch bei mir liegen habe. Dieses Kleid ist nicht das Einfachste, werden wir aber mit Sicherheit hinkriegen. Irgendwie sehe ich das Modell für mich in schwarz, genauso wie abgebildet. Passende Stoffe werde ich in meinem Lager bestimmt finden, weil sich der Stoffverbrauch für dieses Kleid in Grenzen hält. Und dass Mel es auch nähen möchte, gibt mir eine Art goldene Peitsche, es auch zu tun :) Und das ist doch ein schönes Kleid, oder? Wird auf jeden Fall noch nach Weihnachten getragen. Ein Probekleid ist für mich auch hier ein Muss. Und auch, weil das Modell ohne Ärmel ist, muss ein passender Rollkragenshirt in einem schön melierten Stoff, z.B. Slubjersey, genäht werden.
Bildquelle: https://vikisews.com
Idee Nr. 4 ist ein langjähriges UFO, das ich neulich im Keller gefunden habe. Ich und UFOs :), da liegen noch ein paar rum. Dieses Kleid habe ich vor drei Jahren angefangen und ich weiß sogar, woran es lag, dass es zum UFO wurde. Ich hatte null Ahnung :) Burda hat vorgeschlagen, das Kleid nur in der oberen Hälfte zu füttern, und ich kam mit der Idee nicht klar. Ich habe mir überlegt, wie ich das Kleid vollgefüttert hinkriege, ohne die Falten vorne auch im Futter machen zu müssen. Und diese Frage blieb unbeantwortet und das Kleid halbfertig. Ich habe das halbfertige Kleid, das an den Seiten nur geheftet wurde, anprobiert und verstanden, dass ich von den Umfängen ein paar cm wegnehmen muss. Das kann ich :) Und mit dem Futter kriege ich es jetzt auch hin, wenn nicht mit dem langen, dann mit dem halblangen, wie es eigentlich vorgeschlagen ist. Ein Unterkleid drunter und weg ist das Problem! Das hat Potenzial zum Weihnachtskleid und zum Zufriedenheitsgefühl, weil: ein UFO weniger! Ist es nicht schön? :)

Und noch eine Idee für Weihnachten, die eigentlich zu allen Kleidern passen wird und mich vor Kälte schützt, ist diese schöne Jacke aus der aktuellen Burda Style. Und der Stoff in einem schönen Schwarzweißmuster, das mich an etwas französisches erinnert, liegt schon parat. Ob ich es zeitlich noch schaffe, kann ich im Moment nicht sagen. Die letzten Jahre haben bewiesen, dass ich mich oft überschätze.
Bildquelle: burdastyle.ru

Ich verlinke gerne diesen Post auf MMM und bin hiermit ein Teil der WKSA Community

Samstag, 11. August 2018

Asja von VikiSews

Ein Kleid mit solchen Ärmelchen wollte ich schon seit Langem haben. Leider haben die Schnittmustermagazine mir dafür nur eine bescheidene Auswahl geboten. Die Ärmelvolants sind schon sein ein paar Jahren ein Modetrend, doch haben mich die bis jetzt angebotenen Modelle nicht so richtig überzeugt.
Ich muss an dieser Stelle ein paar Worte zu meiner Einstellung bezüglich Indieschnittmuster schreiben. Ich glaube, ich kann mich immer noch in die Gruppe derjenigen einordnen, die gerne die Schnitte aus den Magazinen vernähen. Ab und zu findet man in meinem Schrank Teile von Pattydoo, ich liebe die Einfachheit ihrer Schnitte. Noch seltener trifft man etwas von den anderen Indielabels. Warum ist es so? Eigentlich ist die Tendenz in der modernen deutschen Nähcommunity ganz umgekehrt: man beschreibt die Anleitungen in den Magazinen als knapp und unverständlich. Dafür zahlt man lieber ein paar Euro mehr und bekommt eine schön beschriebenem bebilderte Anleitung. Ich habe aber mehrmals erlebt, dass ich Schnittmuster gekauft habe, die meiner Meinung nach nicht optimal konstruiert wurden. Manchmal hat auch die angebotene Bearbeitung nicht mit dem überein gestimmt, was ich so aus Nähtechnologiebüchern kenne. Es gibt wohl nicht wenige Indieschnittmusteranbieter, die sehr professionelle Schnitte herstellen und auch selbst sehr professionell und gebildet sind. Nur kann ich sie von den Amateuren auf den ersten Blick schwer unterscheiden. Deswegen gehe ich normalerweise auf Nummer sicher und vernähe doch einen Schnitt von Burda oder Grasser.

VikiSews ist ein Indieschnittmusterlabel aus Russland. Ich bin auf Empfehlung von Julia aka SewingGalaxy darauf gekommen. Nach dem Anschauen der kostenlosen Videoanleitung zu dem Kleid habe ich mich entschieden, den Schnitt auszuprobieren. Die Schnitte von VikiSews sehen alle so unglaublich feminin aus... Und so ein Midi-Kleid mit einer Knopfleiste hat in meinem Kleiderschrank bis jetzt definitiv gefehlt. Kosten tut dieser Schnitt fast gar nichts, wenn man die Preise z.B. mit amerikanischen Anbietern vergleicht. Nachteil für den deutschen Sprachraum: alles ist auf Russisch. Genauso wie bei Grasser. Sie müssen meiner Meinung nach dringend daran arbeiten, weil sie sich auf der internationalen Szene definitiv auch gut behaupten würden.

Der dünne Baumwollstoff ohne Elastan mit einer satinierten Oberfläche lag schon in meinem Schrank. Den habe ich, wie auch viele andere dieses Jahr, bei Karstadt ergattert, als sie eine Neulieferung im Frühling hatten. Der Stoff ist sehr leicht, dabei aber nicht durchsichtig, was ihn für dieses Modell gut qualifiziert hat. Das Kleid wird mit Belegen und ohne Futter verarbeitet.

Auch dieses Kleid habe ich entschieden ohne Probekleid direkt zu nähen. Ich habe am Schnittmuster grob gemessen und entschieden, dass es passen wird. Wahrscheinlich habe ich beim Messen einen Fehler gemacht, weil ich bei einer ziemlich späten Anprobe verstanden habe, dass das Kleid mir untenrum zu eng ist. Die Nahttaschen saßen viel zu weit hinten und waren von daher absolut überflüssig. Ich habe mich in so einem engen Rock aus so einem dünnen Material nicht wohlgefühlt. Nach der kurzen schlaflosen Nacht :) habe ich entschieden, beim Karstadt mehr Stoff zu holen und den Rock zu ersetzen. Zu meinem Glück war der Stoff noch da.

Später habe ich bemerkt, dass die Größentabelle von VikiSews den Hüftumfang von 98 cm für meine Größe 40 vorsieht. Das sind 4 cm weniger als ich habe, und dadurch dass der Rock schon so schmal geschnitten ist, lag die Breite nicht in meinem Komfortbereich. Ich hätte den Rock eigentlich in Gr. 42 zuschneiden müssen, also mindestens 4 cm breiter. Selbst schuld.

Das Auftrennen war ärgerlich, aber ging ziemlich zügig. Ich habe entschieden, die Nahttaschen komplett wegzulassen. Auch an einem breiteren Rock sind sie komisch positioniert und für meinen Geschmack nicht so praktisch. Die Taschenbeutel müssen auch ständig beim Anziehen nach vorne gerichtet werden, da sie unter dem Rock verklumpen.

Der neue Rock, den ich insgesamt 6 cm in der Hüfte breiter gemacht habe, fühlt sich viel bequemer an :) Und die Taschen fehlen mir nicht. Die Länge habe ich entschieden so zu lassen, wie es im Schnittmuster vorgesehen ist. Normalerweise trage ich etwas kürzere Röcke, knapp überm Knie, habe aber gehört, dass Midi jetzt wieder im Trend ist und wollte es einfach ausprobieren. Laut Schnittvorgabe ist der unterste Knopf sehr hoch, so dass man vorne einen lange Schlitz hat. Für mich hat sich erwiesen: not safe for work. Im Büro kann ich mit so einer Schlitz nicht auf dem Stuhl sitzen, ohne mich nackt zu fühlen. Deswegen habe ich entschieden, einen kleinen Druckknopf weiter unten anzunähen. Den kann man ja aufmachen, wenn man irgendwo spazieren geht :)

Allgemein zu dem Schnittmuster: einige Sachen sind "für die Anprobe" gemeint. Zum Beispiel sind die Träger, die im Schnitt gegeben sind, offensichtlich zu kurz. Ich musste die Träger um rund 7 cm verlängern. Außerdem sind Position und Neigung der Träger sehr wichtig. Das halbfertige Kleid ist sehr schwer anzuprobieren. Die vordere Blende muss angenäht werden damit das Kleid halbwegs geschlossen werden kann. Sie wird aber erst zum Schluss angenäht, also muss man sie anheften und dann auftrennen. Die Länge der Gummibänder ist auch nicht gegeben, man muss sie auch irgendwie selbst bestimmen. Als Folge daraus sind ich meine viel zu kurz geraten, ca. 2-3 cm pro Ärmel wäre besser. Meine sind jetzt 21 cm lang.

Falls sich jemand von euch entscheidet, das Kleid nachzunähen, hier ist meine Empfehlung: das Kleid fällt ziemlich eng aus, deswegen entweder mit größeren NZ arbeiten oder sofort am Schnitt die Teile ausmessen und breiter machen. Die Träger sollen von Anfang an 10 cm länger geschnitten werden. Ich habe auf Instagram verschiedene Träger an diesem Kleid gesehen, was wahrscheinlich aus dem Grund passiert, dass man mit den Originalträger (in Länge und Breite) schwer klar kommt. Wenn man auf Nummer sicher gehen möchte, soll man einfach dünnere Träger zuschneiden, die oben mit einer Schleife gebunden werden. So vermeidet man Probleme mit Neigung und Länge.
Sonst ist es ein schönes feminines "erwachsenes" Kleid, das ich schon liebe. Wie alle meine selbstgemachten Kleider hat es einen eigenen Charakter und passt am besten zu bestimmten Situationen. Vor allem passt das Kleid zur Saison Sommer 2018, da solche Ärmelchen absolut im Trend sind. Der luftige Stoff gibt dem Kleid noch Pluspunkte bei heißen Temperaturen. Das Kleid zieht die Blicke auf sich, also wer nicht auffallen möchte, näht vielleicht was anderes :)
Schnitt: Asja von VikiSews in Gr. 40
Stoff: dünne satinierte Baumwolle von Karstadt
Fotos: meine

Ich habe in der letzten Zeit hier schon einige Schnittmuster von den russischen Labels gezeigt. Ich verstehe, dass es sie und auch die Videoanleitungen zur Zeit nur in der russischen Sprache gibt. Deswegen sind sie für die deutsche Nähcommunity, für die ich auch meinen Blog schreibe, von begrenztem Interesse. Trotzdem finde ich es wertvoll, einen Überblick zu verschaffen, was sich alles so in der Nähszene der anderen Länden abspielt. Russland war schon immer und ist immer noch das Land, in dem es viel genäht wird. Die Leute nähen selbst und lassen die Kleider maßanfertigen. Das ist zum Teil geschichtlich und zum anderen Teil durch die wirtschaftliche Situation bedingt. Falls ihr euch weniger Beiträge über die russische Nähszene wünscht, schreibt das bitte in den Kommentaren.

Dienstag, 26. Juni 2018

Ein Kleid mit Loch


Wie viele von euch sicher schon wissen, nähe ich mir momentan einen Trenchcoat mir der Onlineschule Grasser. Dieses Kleid wird von mir deswegen als Prokrastinieren von meiner eigentlichen Aufgabe betrachtet. Die Temperaturen draußen (und drinnen) sind so heiß, dass ich mich in so ein Oberbekleidungsstück für die Anprobe einfach nicht zwingen kann. Meine Gedanken sind beim Urlaub und Meer...

Zuerst war der Stoff. Wie bei vielen meiner Projekten, habe ich zuerst den Stoff gekauft und erst danach das passende Modell für ihn gefunden. Es passiert mir ziemlich selten, dass es andersrum ist: zuerst sehe ich das Modell und dann suche panisch und normalerweise am Anfang erfolglos nach dem passenden Stoff. Diesen Stoff, der als italienischer Designerstoff bezeichnet wurde, habe ich in den Stoffbergen von JP Stoffe Mörfelden gefunden. Der Druck ist etwas außergewöhnlich und macht eine Urlaubsstimmung. Die Qualität ist Krepp aus 100% Viskose - perfekt für ein Sommerkleid.

Das Modell zum Stoff hat sich ziemlich schnell gefunden. Zuhause habe ich eine ziemlich beeindruckende Kollektion der Burda-Zeitschriften und nähe, wie ihr sicherlich schon bemerkt habt, gerne etwas aus den älteren Ausgaben. Diesmal wurde ich auf der russischen Burdastyle-Seite für ein Kleid "mit Loch" auf dem Rücken inspiriert.

Modelle mit offenem Rücken sind für mich meist problematisch. Ich kann mir nicht vorstellen, keine Unterwäsche drunter zu tragen, deswegen scheiden die meisten Modelle bei mir sofort aus. Dieses Kleid hat aber die Öffnung die unter der BH Linie liegt - eine ziemlich ungewöhnliche Positionierung des "offenen Rückens". Zudem hat es einen VoKuHiLa-Rock, die jetzt seit ein paar Jahren wieder modern sind. 

Das Kleid war sehr schnell genäht. Etwas Geduld war wegen der Eigenschaften des Materials erforderlich. Der Zuschnitt und Zusammensetzung der Teile haben bei weitem nicht so genau geklappt, wie es z.B. bei einem Baumwollbatist der Fall ist. Aber von diesem Phänomen wusste ich schon und deswegen habe mir erlaubt, eine nicht ganz saubere Verarbeitung zu akzeptieren. Belohnt wurde ich von einem wundervollen Fall, den der Stoff anbietet. Der Rock, durch Kräuselung und hintere Länge, fühlt sich großartig an, wenn der kleine Sommerwind kommt. Perfekt für die Meerespromenade :) Naja, oder für unsere lokale Rheinufer.

Für die Arbeit ist dieses Kleid leider nichts. Die Öffnung so tief am Rücken wird definitiv nicht als professionell betrachtet. Das ist natürlich eine Vermutung, da ich es gar nicht gewagt habe, dieses Kleid auf die Arbeit auszuführen. Natürlich kann man einen längeren Blazer oder ein Jäckchen im klimatisierten Büro drüberziehen, dann hat man aber nicht viel vom Kleid übrig. Der VoKuHiLa-Rock will zum Spazieren getragen werden und nicht auf dem Bürostuhl knittern. Das ist meine Meinung dazu :)

Aus dem oben genannten Grund hatte ich das Kleid bis jetzt nur ein mal an, obwohl seit dem Fertigstellen schon einige Wochen vergangen sind. Ich nehme es aber unbedingt mit in den Urlaub und kriege dabei einen braunen Kreis auf dem Rücken :)
Stoff: Viskosekrepp von JP Stoffe
Fotos: meine

Montag, 21. Mai 2018

Eine Fake Chanel Jacke


In einem meiner Posts habe ich schon erwähnt dass ich eine richtige Haute Couture Chanel Jacke nähen möchte. Dafür habe ich mir sogar ein Buch von Clair Schaefer gekauft und sogar alle Materialien besorgt. Aber wie es mit solch langen Projekten ist... der Anfang zieht sich auch... Und da mir aufgefallen ist dass ich eine Kastenjacke zu all meinen Kleidern unbedingt brauche, entstand erst mal diese "Fake" Version davon, die ich jetzt sehr gerne fast jeden Tag anziehe.

Für diese Jacke habe ich mich wieder von dem russischen Label Grasser inspirieren lassen. Ich habe Fotos auf der Webseite gesehen und habe verstanden, dass ich so ein Basicteil unbedingt brauche. Die Jacke hat keinen Verschluss, keinen Kragen und ist deswegen sehr schnell zu nähen. Ich habe sofort entschieden, dass ich bei meinem ersten Versuch an der Jacke auf die Chanel-typischen Fronttaschen verzichte.

Die Schnittmuster von Grasser sind sehr professionell vorbereitet. Sie enthalten nicht nur alle Nahtzugaben sondern auch separate Schnitte fürs Futter. In der Vergangenheit habe ich durchs Rumprobieren verstanden, dass das Futter nicht einfach ein Duplikat des Oberschnittes ist. Je nach Kleidungsstück muss das Futter gewisse Zugaben enthalten, um den Oberstoff nicht zu verziehen. Auch die untere Zugaben des Futters sind bei Teilen mit Belegen nicht einfach nur kürzer als Oberstoff, sondern haben eine andere Form. Bei meinem Mantel musste ich die Zugaben selbst errechnen und die untere Form selbst ausarbeiten. Bei diesem Grasserschnitt habe ich einfach die Papierteile auf den Stoff gelegt, ausgeschnitten, mit Einlage verstützt und zusammengenäht. Das war wirklich sehr angenehm :)

Nach der Analyse meines Schranks habe ich verstanden, dass die Teile, die ich am meisten trage, so langweilige Basicteile in Schlichtfarben sind. Es war eine bewusste Entscheidung, sehr schlichte und möglichst zu allem passende Farbe zu wählen. Den Stoff habe ich von einem lokalen Laden meines Vertrauens :) Diesen Laden besuche ich immer wenn ich einen Anzugswollstoff brauchen. Die Brenn- und Fühlprobe hat ergeben: Wolle ist drin. Als Futter habe ich Venezia genommen. Reine Synthetik, doch versprochen, dass sie statisch nicht auflädt und eine edle Haptik hat. Der Preis ist auch nicht gerade niedrig, also habe ich entschieden, diesem Futter eine Chance zu geben.

Um eine Nummer sicher zu gehen habe ich ein Probeteil aus Nessel genäht. Die Passform fand ich auf den ersten Blick sehr gut. Die einzige Anpassung die ich gemacht habe ist das Versetzen des Brustabnähers 1.5 cm nach unten. Alles andere, inklusive die Länge und Armlänge habe ich so belassen wie im Schnitt vorgesehen. Hier muss ich erwähnen, dass die Schnitte von Grasser normalerweise für drei Körpergrößen angeboten sind. Diese Jacke jedoch nicht. Ich denke, dass sie für die "normale" Körpergröße von 168 cm konzipiert ist. Ein Glück, dass ich 168 cm groß bin :)

Wie ich schon erwähnt habe trage ich die Jacke jetzt sehr gerne zur Arbeit. Eine sommertaugliche farbenfröhliche Variante mit 3/4 Arm aus einem wunderschönen Boucle ist auch schon in Planung.

Mittlerweile hat mein Trenchcoatkurs begonnen und nimmt momentan meine ganze Nähaufmerksamkeit auf sich zu. Ich werde hier und auf Instagram ab und zu über mein Progress in dieser aufregender Aufgabe berichten. Ich wollte schon seit langem einen klassischen handgemachten Burberry-style Mantel zu haben und endlich geschieht es!




Schnitt: Nr. 76 "Chanel"-Jacke vom Grasser
Stoff: Wolltwill aus dem lokalen Stoffgeschäft
Rock und Bluse: vor Jahren gekauft :)
Fotos: meine